,,Voneinander lernen” – Der US-amerikanische Generalkonsul besucht die Geschwister-Scholl-Schule

Dies betonte der US-amerikanische Generalkonsul Norman Thatcher Scharpf, als er am 15. März 2024 seine Rede im Forum der Geschwister-Scholl-Schule in Bensheim begann. Der Fokus der Themenschwerpunkte bei diesem 11. Scholl-Forum lag vornehmlich auf der deutsch-amerikanischen Freundschaft, Antisemitismus und aktuellen geopolitischen Spannungsfeldern, die anschließend mit den Schüler*innen erörtert wurden.

Zu Beginn der Veranstaltung eröffnete der Schulleiter Thomas Stricker die Diskussionsrunde mit einer kurzen Rede, in der er die Wichtigkeit der Freundschaft zwischen den USA und Deutschland betonte. Zu einer guten Freundschaft gehöre jedoch auch die berechtigte Kritik am Gegenüber, um den Austausch zu fördern und sich zu verbessern, so Herr Stricker.

Sodann folgte der nahtlose Übergang zur Impulsrede des Generalkonsuls, in der er sich zunächst für die herzliche Einladung nach Bensheim bedankte. Eine solche Runde sei in seinen Augen eine einzigartige Möglichkeit, bei der man voneinander lernen und somit die Gemeinschaft verbessern könne. Weiterhin erläuterte Scharpf die stark verwurzelte Geschichte, die Deutschland und die USA verbinde. Dabei schloss er sich selbst mit ein, da seine eigenen Wurzeln in Deutschland liegen. Die historischen Verbindungen seiner Vorfahren reichten bis in die 1860er Jahre zurück und die deutsche Freundschaft zu den USA zähle seit über 70 Jahren zu den vertrauenswürdigsten. Diese enge Verbindung bleibe bestehen, und zwar unabhängig davon, wer im November dieses Jahres die US-Präsidentschaftswahlen gewinnen werde. Mit Blick auf die aktuelle politische Weltlage betonte er, dass wir an einer Art Reflexionspunkt stehen würden. Geopolitische Spannungen, wie z. B. der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und der Nahost-Konflikt, die Klimakrise sowie die Folgen der Corona-Pandemie hätten einschneidende politische und wirtschaftliche Konsequenzen hervorgebracht, die es mit gemeinsamem Handeln ,,Schulter an Schulter” weiterhin zu bewältigen gelte.

Zu Beginn der Fragerunde reichte der Austausch von der aktuellen Situation des Dollars als Leitwährung bis hin zu den politischen und ökonomischen Auswirkungen des Ukraine-Krieges. Hierbei betonte Scharpf die notwendige Unterstützung der Ukraine, die weitergehen müsse und auch werde. Weiterhin wies er auf vergangene und zum Teil noch bestehende Abhängigkeiten Deutschlands – z. B. mit Blick auf Russland und China – hin und er hob hervor, dass es nicht erst die Auffassung der Trump-Regierung gewesen sei, dass Deutschland auf eigenen Beinen stehen müsse. Auch wenn Donald Trump sowohl diesen Aspekt als auch den Einsatz des jeweiligen Regierungschefs für die eigene Bevölkerung bzw. für das eigene Land – Stichwort „America first“ – auf eine eher unkonventionelle Weise nach außen getragen habe, sei diese Denkweise im Weißen Haus bereits Mitte der 1990er Jahre unter Bill Clinton entstanden und auch von allen nachfolgenden Präsidenten betont worden.

Auf die Frage, wie der Antisemitismus in den USA und in Deutschland zu vergleichen sei, antwortete der US-Generalkonsul, dass sich die Situation in beiden Ländern als sehr ähnlich darstelle. Antisemitismus entstehe meist als Folge von mangelnder Bildung im Zusammenhang mit einer entsprechend menschenverachtenden Politik. Hier seien die politischen Führungspositionen in der Verantwortung, ein respektvolles und tolerantes Miteinander vorzuleben.

Nachdem von einer Schülerin das Thema ,,Gun Laws“ angeschnitten wurde und die damit einhergehenden Probleme erläutert wurden, sprach sich Scharpf für die Beteiligung der Jugendlichen an der Europawahl aus. Hierbei animierte er die anwesenden Wahlberechtigten: „Go voting!“ Dies sei für den Erhalt der US-amerikanischen Freundschaft mit Europa essenziell, da Demokratie nicht ,,selbstverständlich’’ sei.

Im weiteren Verlauf wurden die Situation und mögliche Lösungsansätze für den Nahost-Konflikt diskutiert. Die Abschlussfrage stellte ein Schüler aus der Ukraine, der wissen wollte, was man als junge Gemeinschaft dazu beitragen könne, um die Beziehung zu den USA auch in Zukunft zu erhalten und vielleicht noch zu verbessern. Scharpf schloss mit der Empfehlung, dass man nicht nur im Klassenraum, sondern auch außerhalb mit der Welt verbunden sein solle. Junge Menschen sollten nicht zur KI werden und nicht irgendetwas wiederholen, was jemand einmal gesagt hat, sondern stets kritisch denken und sich diese Gabe erhalten.

Für die Schulgemeinde war es eine besondere Ehre, Herrn Generalkonsul Scharpf als Gast an der Geschwister-Scholl-Schule begrüßen zu dürfen. Deshalb geht ein herzliches Dankeschön an ihn und an seine Mitarbeiter vom US-Generalkonsulat in Frankfurt.

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