Klimawandelschäden im heimischen Wald erkundet: Förster Elsäßer führte durch den Rauenstein

Oberstufen-Schülerinnen und -schüler der Scholl-Schule waren auf Klimawandelspuren im Lautertaler Gemeindewald unterwegs. Unter fachkundiger Anleitung des Revierförsters Kai Elsäßer sowie Lehrer Frank Maus lernten sie genau hinzuschauen, wie sich schon seit Jahren teils dramatische Veränderungen im Wald zeigen. Vorausgegangen war eine mehr theoretische Behandlung der Thematik im Politik- und Wirtschaftsunterricht. Lehrer Maus hat dazu eine wichtige Entdeckung gemacht: „Vor wenigen Jahren waren die Klimawandelprobleme das bewegendste Thema der Jugend, das sieht heute anders aus. Das intrinsische Interesse ist teilweise verflogen, das Problem leider nicht. Es gibt sogar noch immer eine Menge Menschen, die den Klimawandel leugnen. Das trifft nicht nur auf den US-Präsidenten Trump zu, sondern auch auf unsere Gesellschaft“. Nach der Sensibilisierung im Unterricht beschloss die Lerngruppe in zwei Schritten vorzugehen. Zunächst stand eine Exkursion im Lautertaler Gemeindewald an, um den Klimawandel-Problemen vor der Haustüre auf die Spur zu kommen.

Ausgangspunkt der Lernaktivitäten war ein Lernvideo zu Klimawandelfolgen in verschiedenen Teilregionen Deutschlands. Sichtlich irritiert äußerten die Lernenden Betroffenheit und Überraschung: „Dass die Dramatik schon so groß ist, hatten wir nicht erwartet“, formulierten Alexandra und Anjara. „Es gibt ja gar keine deutsche Region mehr, die nicht mit eindeutigen Problemen zu kämpfen hat“. Auffallend war, dass die Schülerinnen zunächst damit rechneten, dass sich der Klimawandel hauptsächlich auf anderen Kontinenten abspiele, vor allem im globalen Süden. Dass das Tempo des Temperaturanstieges ausgerechnet in Zentraleuropa überproportional hochfährt, traf die Schülerschaft unvorbereitet.

Kooperation mit HessenForst

HessenForst ist schon seit längerer Zeit ein aktiver Kooperationspartner der Scholl-Schule. Auch Revierförster Kai Elsäßer, der vor etwas mehr als einem Jahr seinen Dienst in Lautertal und Lindenfels angetreten hat, ist es ein Anliegen, die Bevölkerung mit den Bedürfnissen und Problemen des heimischen Waldes vertraut zu machen. So traf man sich am Gadernheimer Parkplatz Rauenstein, um das Waldgebiet rund um die Neunkirchener Höhe zu erkunden. In strömendem Regen machte sich die Gruppe auf den völlig durchnässten und von schnell abfließendem Oberflächenwasser durchsetzten Weg und inspizierte das Areal Rauenstein.

Klimawandel-Verlierer Fichte

„Welche Veränderungen durch den Klimawandel haben Sie in den letzten 5 bis 10 Jahren im Wald am stärksten bemerkt und wie können wir das hier am besten nachvollziehen“, wollte Hannah unverblümt wissen. Elsäßer holte leicht aus und entgegnete: „Das ist eine schwierige Frage, da wir gleich eine ganze Reihe von Problemen beobachten. Insofern müsste ich Euch jetzt eigentlich gleich einen halbstündigen Vortrag halten. Doch lasst uns zunächst die Baumart betrachten, die den großen Verlierer des Klimawandels in den meisten Mittelgebirgen wie dem Odenwald darstellt. Es ist die Fichte. Sie wurde in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg häufig in Lautertal in Monokulturen angepflanzt, um schnell Bauholz zu erzeugen. Durch die vielen überheißen und trockenen Sommer seit 2018 wurden aber fast alle Fichten krank und kämpften ums Überleben. Der Trockenstress ließ ihre Fähigkeit, Schädlinge wie den Borkenkäfer mit Baumharz unschädlich zu machen fast auf null sinken. Der Borkenkäfer hat schließlich zu massenhaftem Absterben der Bäume u.a. in Lautertal geführt.“

Als die Schüler an einem gerodeten Fichtenwald angekommen waren, führte Frank Maus sie zielstrebig zum Polder aufgeschichteter Stämme. „Schaut Euch mal die Rückseite der abgeplatzten Fichtenrinde an“, lud Maus seine Schülerschaft ein. „Die Rinde ist ja durchlöchert wie ein Käse und auf der Rückseite sind viele Fraßgänge zu erkennen“, äußerte Zehra. „Gleiches findet Ihr auf den abgeschälten Stämmen der Fichten“, ergänzte Maus. „Jetzt könnt Ihr Euch vorstellen, dass die Fichte gegen diese Masse an Schädlingen schlicht keine Chance mehr hat. Die Borkenkäfer zerstören die kompletten Leitungsbahnen zwischen Wurzeln und Baumkrone. Da kommt kein Photosynthese-Produkt mehr zu den Wurzeln und kein Wasser mehr oben an.“

Aufforstungsaktion

Aufgrund des nicht nachlassenden Regens brach die Lerngruppe die Exkursion bereits nach der Hälfte der vorgesehenen Zeit ab. Trotzdem vereinbarte man noch die weitere Vorgehensweise mit dem Förster. Sichtlich desillusioniert von den starken Baumverlusten aber motiviert durch Elsäßers erfrischende Art der Erläuterungen avisierten die GSS-Schüler einen Termin zur sanften standortgerechten Wiederaufforstung, die man gemeinsam mit dem Förster noch in dieser Saison durchführen wird.

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