Documenta

Die Documenta-Fahrt nach Kassel
„Ignoranz ist eine Tugend“. Die Worte von Pope L.´s Whispering Campaign werden wir so schnell nicht mehr los. Viele Beispiele aus der Politik oder auch in unserem eigenen Leben bestätigen jeden Tag erneut: Dinge, die uns auf den ersten Blick nicht gefallen, werden allzu oft gekonnt übersehen. Diese Fähigkeit, des Wegsehens machen wir uns bewusst oder unbewusst zur „Tugend“; vielleicht aus Selbstschutz, vielleicht wirklich aus Ignoranz. Und manchmal reicht es auch, sich etwas einfach nur oft genug einzureden, um es zu glauben. Die Documenta-Fahrt hat uns gezeigt: Es ist die Ironie des Lebens, dass die vermeintlich widersprüchliche Abfolge von vier Worten – in so manch anderem Fall von Kunst auch gar kein Wort – genügt, um seine bisherige Sicht auf die Dinge erst einmal gründlich über den Haufen zu werfen.

Ich danke meinen KollegInnen Frau Schneider, Frau Siede und Herr Faudt, sowie allen Documenta-TeilnehmerInnen für ein überaus gelungenes Wochenende mit anschließendem Documenta-Workshop und Ausstellung im Rahmen unserer Bilderschau. Herzlichen Dank auch an Janik für den folgenden Bericht!

Luzie Komm

Documenta Kassel 2017 Bericht
TAG 1 : Nach der Ankunft in Kassel und schnellem Zurechtfinden in der Jugendherberge ging es auch schon sofort los zur Documenta in Kassel. Zu Beginn stand der Besuch einer Ausstellung an, jedoch stellten wir fest, dass die ganze Stadt Kassel zu einer riesigen Ausstellung geworden ist. Auf unserem Weg sahen wir bereits den Friedrichsplatz, auf dem ein majestätischer Palast gebaut wurde aus Metallgerüsten und Büchern, die im Verlauf der Geschichte verboten wurden, aber dazu mehr später.
Überall in der Stadt, wenn man genau hinsah, erkannte man verschiedene Kunstwerke oder Dekorationen im Sinne der Documenta.
Angekommen, betraten wir die „Neue Neue Galerie“, eine größere Halle, in der wir uns frei bewegen durften. Die Anzahl der Kunstwerke, welche hier ausgestellt sind, ist riesig und so auch ihre Unterschiedlichkeit. Hierbei darf man sich allerdings kein langweiliges Museum vorstellen. Die dort ausgestellten Kunstwerke sind in ihrer Art weitaus abstrakter und mysteriöser als es ein Gemälde in einem Museum schaffen würde. Von Wänden, die eine Kulturgeschichte anhand von Zeichnungen darstellt, Lichtscheinwerfer, vor welche man sich setzen muss und diese das eigentliche Werk in die Netzhaut einbrennen, sodass man es anschließend auf einer weißen Wand vor sich sieht, bis hin zu einer rekonstruierten Modenschau mit viel Interpretationsmöglichkeiten und einer großen Wand auf der Gesichter mit Masken verschmelzen.

Offensichtlich wird hierdurch, dass die Documenta in Kassel auf keinen Fall eine ganz normale Kunstausstellung ist, auf der man irgendwann verzweifelt einen Sitzplatz sucht, da einem die Beine höllisch wehtun, weil man schon seit mehreren Stunden herumsteht, während Angestellter XY des Monats einen mit Informationen bombardiert, die man eigentlich gar nicht wissen möchte.
Die meisten Kunstwerke auf der Documenta haben tatsächlich nicht einmal ein Schild, auf dem das Kunstwerk erklärt wird. Denn Interpretation und eigenes Nachdenken und Philosophieren wird auf der Documenta fokussiert. Oft ist es auch vorgekommen, dass man vor einem sehr abstrakten und kuriosen Kunstwerk stand und wir Schüler uns nur dachten: „Was soll das bitte darstellen und was zum **** lief mit dem Künstler falsch, als er das gemacht hat?“ Jedoch, desto länger wir Zeit an einem Kunstwerk verbrachten, desto aufschlussreicher wurde das Kunstwerk für uns.

Recht gegen Ende unseres Aufenthalts in der Neuen Neuen Galerie sprach man uns an, ob wir uns nicht eine Performance anschauen möchten, erwähnten jedoch, dass es nur sehr wenige Plätze gebe und man nur sehr kurze Zeit hätte, dort hineinzukommen. Mehrere Schüler und eine Lehrerin schafften es in die besagte Vorstellung. Diese erzählten anschließend, dass sie in einen komplett dunklen Raum geführt wurden, wo sie im Dunklen Liegen suchten mussten. Als alle auf ihrem Platz waren, begannen per Lautsprecher zwei Frauen miteinander ein Interview zu führen. Entsprechend ihrer roboterartigen Stimmen hätten die beiden die verschollenen Geschwister von Siri sein können. Diese Erfahrung empfanden die meisten Schüler als ziemlich irritierend und komisch. „Man hat sich ein bisschen wie bei einer Gehirnwäsche gefühlt“ sagten mehrere Schüler. Nachdem wir anschließend in kleinen Gruppen weitere Ausstellungsorte besuchen durften, traf man sich später zum gemeinsamen Abendessen in einem Restaurant.

TAG 2: Nach dem Frühstück wurden verschiedene Aufgaben vorgestellt, welche die Schüler in Kassel erledigen sollten: Zwischen Interviews und Dokumentationen gehörte auch das unauffällige Verfolgen von Ausstellungsbesuchern dazu: Klingt erstmal seltsam, so ein Auftrag; aber dass zu einer Ausstellung auch die Betrachter gehören, je nach Kunstwerk sogar selbst Teil von Kunst werden können und sich die meisten Ausstellungsbesucher im Selfiezeitalter in erster Linie sich selbst, statt die Kunst im Blick haben, wurde dadurch erst klar. Jeder Schüler sollte außerdem ein Fundstück finden, das er mit nach Hause nehmen kann. Hierbei wurde uns freie Kreativität gelassen, wie wir diese Aufgabe umsetzen.

Zu Beginn sahen wir uns das Parthenon an, welcher aus Metallgerüsten und in der Geschichte verbotenen Büchern gebaut wurde. Überraschenderweise fanden wir auch sehr viele bekannte Bücher wie Harry Potter und die Twilight Bücher. Anschließen begaben wir uns in die Documenta Halle, welche in ihrer Einzigartigkeit der Ausstellung am vorigen Tag glich. Danach begaben wir uns in Kleingruppen und wir durften uns bis zur Abfahrt frei auf dem Ausstellungsgelände bewegen und die Aufträge erfüllen.
Bei der Frage, welches Fundstück wir mit nach Hause nehmen, nahm die Fügung der Dinge einen sehr interessanten Lauf. Als wir Schüler uns bei KFC vergnügten, kam uns die Idee: „Warum nehmen wir uns nicht so einen Bucket und fragen die Besucher der Documenta, ob sie nicht etwas darauf malen könnten?“ Die Idee war, die Kunst der Documenta-Besucher zu dokumentieren und einen einfachen Alltagsgegenstand somit in Kunst zu verwandeln. Am Ende des Tages waren wir Schüler nun im Besitz eines sehr besonderen KFC-Buckets. Die Besucher der Documenta waren sehr offen und eine Vielzahl der Besucher (ca. 60 Person) wurden Teil unseres Bucket-Projekts.
Kurz vor Heimreise bekamen wir noch die Möglichkeit einen stillgelegten, unterirdischen U-Bahntunnel zu erkunden. Danach wurden noch Gruppenfotos gemacht und dann ging es auf den Heimweg.

UMSETZUNG IN DER SCHULE:

In der darauffolgenden Woche gestalteten wir in unserer neuen Rolle als Documenta-Botschafter im Filmsaal der Geschwister-Scholl-Schule eine Rauminstallation. Die Idee war es, durch diese Ausstellung unseren Mitschülern die besondere Stimmung der Documenta und unsere neue Sicht auf die Möglichkeiten der Kunst zu zeigen. In dem Raum fanden sich neben Documenta-Selfies auch zwei selbstgeschnittene Videos und die gesammelten Fundstücke wieder. Zudem platzierten wir in der Schulstraße eine Audioinstallation, welche Pope L.`s Whispering Campaign: „Ignoranz ist eine Tugend‘‘ mantraartig aus einem Schülerspint zitierte… Wir selbst analysierten diesen Satz bereits in Kassel zusammen und waren selbst überrascht, wie viel Bedeutung in diesem einen Satz steckt.

FAZIT:
Die Documenta-Fahrt, welche am Anfang sehr langweilig klingt für die meisten Schüler, da diese schon bei dem Wort „Kunst“ abschalten und von ihren alten Museumsbesuchen Horror-Flashbacks schieben, entpuppte sich als sehr interessante und wahnsinnig vielfältige Fahrt. Langweilig wird es auf jeden Fall nicht, und die Kunstwerke, die man dort sieht, sieht man auch nirgendwo anders. Zumindest habe ich noch nie davon gehört, dass seit neuestem neben der Mona Lisa ein riesiger Webstuhl steht, welcher einen Herzschlag aufnäht oder Knochen von der Decke hängen.
Deshalb kann ich nur jedem empfehlen an den zukünftigen Fahrten zur Documenta teilzunehmen, denn was ihr da seht, werdet ihr so schnell nicht wieder vergessen (Eure Snapchat-Follower übrigens auch nicht).

Janik Schievelbein

Hintergrundinformationen zum Projekt „Bilderschau“
Im Rahmen des schulzweigübergreifenden Pilotprojekts „Bilderschau“ wurde die letzte Woche vor den Ferien dazu genutzt, Schülerprodukte aus dem Schuljahr 2016/17 an verschiedenen Orten der Geschwister-Scholl-Schule auszustellen.
Der Hintergedanke der Bilderschau ist, in gewissen Abständen eine Ausstellung besonderer Leistungen im Fach Kunst für die Schulöffentlichkeit sichtbar zu machen und den Schülerinnen und Schülern gleichzeitig die Gelegenheit zu geben, erste Erfahrungen im Bereich Ausstellungspraxis zu machen.
Der erste Anlauf hat im kleineren Rahmen stattgefunden: Es wurden leuchtende Designobjekte der 9Gb im Refugium sowie eine Nachbereitung der Documenta-Exkursionsteilnehmer im Filmsaal (Rauminstallation) und in der Straße der weißen Rose (Audioinstallation) ausgestellt. Hinzu kamen drei Werkreihen in der Mohácstraße zum Thema „Malerei und Schrift“ der Klassen 10Rb, 10Rc und 8Rc; „Meisterwerke Covern“ präsentierte die Klasse 9Gc und zum Thema „Eine Marke promoten“ wurden Werke der Klasse 8Rd in den Vitrinen ausgestellt. Insgesamt sechs Schulklassen nutzten die Gelegenheit, durch den Rundgang zu laufen, Fragen an die jungen Künstler zu stellen und über den Sinn und Unsinn von Kunst und den behandelten Themen zu diskutieren.
Die positive Resonanz der Ausstellungsbesucher und der jungen Künstler hat uns davon überzeugt, dass das Projekt „Bilderschau“ in diesem Schuljahr einen weiteren Anlauf wagen kann. Daher gilt für alle Schülerinnen und Schüler: schwingt fleißig die Pinsel!

Eure Kunst-Fachschaft



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