„Sie verkörpern die Vorstellung von einer humanen Schule“  

Helmut Krenzer, stellvertretender Direktor der Scholl-Schule, in den Ruhestand verabschiedet

Eigentlich wollte der bescheidene Helmut Krenzer die Geschwister-Scholl-Schule fast lautlos verlassen: keine Abschiedsfeier, allenfalls die Übergabe der Pensionierungs-Urkunde im Anschluss an eine Konferenz, keine großen Reden. Zumindest beim letzten Punkt spielten seine Kolleginnen und Kollegen sowie viele andere Gäste, die zur Verabschiedungsfeier gekommen waren, nicht mit. Zu viel hatte der langjährige stellvertretende Direktor für die Scholl-Schule getan, als dass man ihn so einfach sang- und klanglos gehen lassen wollte.

 Schon kurz nach seiner Einstellung übernahm Helmut Krenzer Leitungsaufgaben: Er bildete bald auch junge Lehrer aus, arbeitete vorübergehend im Kultusministerium, war Direktor des Realschulzweiges im Schuldorf Bergstraße, bis er im Dezember 1990 stellvertretender Schulleiter in Bensheim wurde. Als Direktor Prof. Wand im Sommer 2001 in Ruhestand ging, leitete er ein Jahr lang kommissarisch die Schule. Viel Kraft und Nerven kostete ihn in diesem Jahr auch der Kampf gegen den riesigen Supermarkt, der direkt gegenüber der Scholl-Schule gebaut werden sollte. Wegen einer schweren Krankheit muss der 62-Jährige jetzt vorzeitig in den Ruhestand gehen.

 Dies sah der neue Leiter der Scholl-Schule, Studiendirektor Dieter Zangmeister, mit einem „lachenden und einem weinenden Auge: „Wir freuen uns, dass du jetzt den verdienten Ruhestand genießen kannst, aber du fehlst uns.“ Es fehle der kompetente Ansprechpartner, der auch in juristisch verzwickten Fällen stets guten Rat gewusst habe. „Vor allem fehlt uns deine menschliche Wärme, mit der du uns in aller Ruhe trotz des hektischen Betriebs empfangen und mit gutem Gefühl wieder hinausbegleitet hast. Diese Menschlichkeit wird sicher nicht so einfach zu ersetzen sein.“

Dem pflichtete auch die Lehrerin Hanne Gruss als Sprecherin des Kollegiums bei: „Sie verkörpern für uns die Vorstellung von einer humanen Schule. Wer mit persönlichen Anliegen kam, dem wurde stets wohlwollend geholfen.“


Ulrike Zotz und Harald Tilly überreichen Helmut Krenzer ein Modell 
seines bisherigen Arbeitszimmers

Etwas Wehmut schwang auch im Abschiedslied des Lehrerchors mit, der zur Melodie „Oh, du lieber Augustin“ acht Strophen getextet hatte. Die letzte lautete: „Oh, du lieber Pensionär, Pensionär, du verlässt uns. Gehst jetzt heim, nie mehr Stress an uns´rer GSS. Oh, du lieber Pensionär, komm wieder her.“ Das versprach der freundliche Pensionär denn auch, bei der traditionellen Weihnachtsfeier werde er sicher wieder dabei sein.

Helmut Krenzer, der von Eltern, Lehrern und Schülern gleichermaßen geachtet wurde, war auch im Staatlichen Schulamt hoch geschätzt. Der Leitende Schulamtsdirektor Olaf Kühn berichtete, Herr Krenzer habe seine Wünsche stets direkt, aber gleichzeitig freundlich, höflich und humorvoll vorgetragen. Ihn habe Geradlinigkeit, Berechenbarkeit, Verlässlichkeit, Fleiß, Einsatzfreude und Verantwortungsbewusstsein ausgezeichnet.

Geradlinigkeit war vermutlich besonders wichtig in der überaus „dynamischen Zeit im Bildungsbereich“, an die Helmut Krenzer seine Zuhörer erinnerte. In seinen 38 ½ Dienstjahren habe er die einklassige Landschule noch erlebt. In den Reformjahren sei „mit erschütternder Hektik“ ständig alles umgestaltet und umstrukturiert worden. Inzwischen seien die meisten Reformen aus dieser Umbruchzeit wieder kassiert worden.

Er selbst, so sagte Helmut Krenzer den Lehrerinnen und Lehrern, habe sich bewusst für eine große Schule entschieden, weil sie den Schülern durch ihre größeren Differenzierungen mehr Möglichkeiten biete. In dem „wunderbaren Kollegium“ an der Scholl-Schule habe er dann eine freundliche Aufnahme gefunden. Dort habe sich sein positives Bild vom Lehrerstand bestätigt. In Konfliktfällen habe man schließlich immer zu einem pädagogischen Konsens gefunden, „weil Sie sich letzten Endes für die Sache der Kinder entschieden haben.“

Der scheidende stellvertretende Schulleiter konnte sich noch an einige großartige Stunden aus seiner eigenen Schulzeit erinnern, an „Sternstunden“. Seinen Kolleginnen und Kollegen an der Scholl-Schule empfahl er, die Kräfte nicht in der Verwaltungstätigkeit und im hausgemachten Stress zu vergeuden, sondern „sich auf Ihren Unterricht zu konzentrieren, nach Sternstunden zu streben.“ Es klang wie das Vermächtnis eines begeisterten, optimistischen  Pädagogen, als er seinen Kollegen zum Abschluss dies auf den Weg gab: „Ich wünsche Ihnen alles Gute, dass Sie die Köpfe und Herzen der Kinder öffnen, damit die Welt etwas besser wird.

R. Poggenhans

 


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