Scholl-Schüler informierten sich über energiesparendes Bauen „Künstler sind weltfremd“ – so lautete (und lautet?) ein gängiges Vorurteil. Manche Künstler von morgen wollen da anders sein. Als daher in ihrem Leistungskurs Kunst das Thema „Architektur“ auf dem Lehrplan stand, betrachteten die Kursteilnehmer aus der Scholl-Schule wie üblich zunächst die historische Architektur. Als nächstes wollen die Schülerinnen und Schüler jetzt Teile der Geschwister-Scholl-Schule in eigenen Modellen energiebewusst und architektonisch ansprechend umgestalten. Damit aus diesen Modellen keine weltfremden Wolkenkuckucksheime werden, lud die Leiterin des Leistungskurses Kunst, Studienrätin Barbara Fuchs-Schneeweiss, zwei ausgewiesene Fachleute ein, um den Stand der Technik in der im Energiesparbereich kennen zu lernen. Claudia Felske vom Solar- und Energie-Beratungszentrum der Bergstraße und Robert Persch, Energieberater der Stadt Bensheim, sind Diplom-Ingenieure und beraten gewöhnlich Hausbesitzer oder Häuslebauer, wie sie ohne Komfortverlust sparsamer mit der knappen Energie umgehen können. Ungewöhnlich war für sie, dass sie an eine weiterführende Schule eingeladen wurden und dass sie so viele Schüler über das Energiesparen informieren konnten. Neben dem Leistungskurs Kunst waren nämlich noch zwei 10. Realschulklassen der Scholl-Schule im Forum anwesend. Deren Physiklehrer Rainer Maschke ist stolzer Besitzer eines Flachkollektors, der seit 15 Jahren auf dem Dach seines Hauses das Wasser aufheizt – „die ganze Zeit problemlos“, wie er sagte. Flachkollektoren und Stromerzeuger auf dem Dach sind Teil eines Wunders, das heute bereits an vielen Orten Realität ist: Häuser, die mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen, so genannte „Plus-Energie-Häuser“. Diese Gebäude sind nach der Sonne ausgerichtet: Im Norden haben sie meist die Eingangstür und – wenn überhaupt – nur kleine Fenster und dafür optimal isolierte Wände. Auf der Südseite verfügen sie über große Fensterflächen und über Vorrichtungen, die die Sonnenwärme speichern können. So bestehen manchmal Balkongitter aus dunklen Rohren. Die frostsichere Flüssigkeit in diesen Rohren wird von der Sonne aufgeheizt und erhitzt das warme Wasser im Haus. Dass solche Häuser auch architektonisch reizvoll sein können, sahen die Schüler an vielen Bildbeispielen. Die optimale Hausform für die Energieeinsparung wäre eine Kugel, denn sie hat bei einem großen Innenraum nur eine geringe Außenfläche, über die Wärme an die Umwelt abgegeben wird. Da man schlecht eine Kugel auf den Erdboden bauen kann, errichten einige Solar-Architekten Häuser, die entfernt an Bäume erinnern: unten ein Stamm, darüber der Wohnteil, der an eine Baumkrone oder eben an eine Kugel erinnert, die manchmal sogar noch über einen Zahnkranz auf dem Stamm drehbar ist. So dreht sich das Wohnzimmer automatisch dorthin, wo gerade die Sonne steht. Auch andere pfiffige Ideen wie der Wintergarten, der wie ein Klimapuffer wirkt, reduzieren den Ausstoß der Klima-schädlichen CO2-Gase, bieten hohen Wohnkomfort und sehen dazu noch gut aus. Wenn sich die Schüler des Kunst-Leistungskurses nun an die Aufgabe begeben, die Scholl-Schule energiesparend und attraktiv für die Benutzer umzugestalten, wird man das ursprüngliche Gebäude in den neuen Modellen vermutlich kaum wiedererkennen . R. Poggenhans
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