Ganztagsschule für junge Leute aus 46 Nationen?
Die GSS stellt Weichen / Dr. Kübler, Vorsitzender des Elternbeirats, übergab Amt an Kay Lorey / Konzept nimmt Gestalt an

Bensheim. Ist die Geschwister-Scholl-Schule bald eine Ganztagsschule? Die ersten Schritte in diese Richtung sind getan. "Die Geschwister-Scholl-Schule bietet beste Voraussetzungen, um eine Reformschule zu werden", meinte Dr. Klaus Kübler.

In einem Pressegespräch verwies Dr. Kübler, der den Vorsitz des Schulelternbeirats an seinen Nachfolger Kay Lorey übergab, auf das Engagement des Gremiums, das in Kooperation mit Schulleiter Dieter Zangmeister sowie der Lehrer-, Eltern- und Schülerschaft die Initiative ergriffen habe, um diese Idee in die Tat umzusetzen.

Dass die additive Gesamtschule im Westen der Stadt sich engagiert, ist für ihn ein wichtiges Indiz dafür, dass eine aktive Elternschaft durchaus Zeichen setzen kann. Zwar sei die Erweiterung zu einer Ganztagsschule noch nicht beschlossene Sache, er gehe jedoch davon aus, dass man in einem gemeinsamen Kraftakt aller Beteiligten auch die letzten Hürden meistern werde.

Die Idee, aus der Geschwister-Scholl-Schule eine Ganztagsschule zu machen, kommt nicht von ungefähr. Als die niederschmetternden Ergebnisse der Pisa-Studie bekannt wurden, setzte man sich in der GSS schnell an den runden Tisch, diskutierte die Ursachen und zog Konsequenzen. Im Gesamtelternbeirat und in der Schulkonferenz fiel die Entscheidung für das Projekt Ganztagsschule, die sukzessive mit Beginn der fünften Klasse eingeführt werden soll, nahezu einstimmig aus.

Beim Staatlichen Schulamt und beim Kreis Bergstraße stieß man mit dem Konzept auf offene Türen. Fehlt noch das Plazet aus Wiesbaden. Laut Kay Lorey hofft man, mit Schuljahresbeginn 2003/04 starten zu können. Die Schulgremien sind bereits dabei, die Voraussetzungen zu schaffen und dem Konzept den letzten Schliff zu geben.

Ganztagsschule bedeutet mehr als nur die Schüler mit einem Mittagessen zu versorgen und nachmittags nach altem Schema zu unterrichten. Die Schule zu einem Ort werden zu lassen, an dem sich Schüler wohl fühlen und mit dem sie sich identifizieren können, wird doppelt wichtig, wenn sie den ganzen Tag dort zubringen. Das heißt auch, dass mehr Sozialarbeit einfließen muss. Lehrer allein können diese Aufgabe nicht bewältigen.

Für Elternbeirätin Waltraud Dorn ist die Tatsache, dass in den vergangenen Jahren insgesamt 50 Schüler ausgeschult werden mussten, ein deutliches Signal dafür, dass mehr schulpsychologische Unterstützung benötigt wird. Besonders im Bereich der Hauptschule sieht sie ein hohes Konflikt- und Aggressionspotenzial. Ihre Vorstellungen gehen in Richtung eines Jugendhilfezentrums, das mit der Schule eng vernetzt ist. Im Übrigen eine Institution, die in anderen umliegenden Städten bereits Alltag ist.

In der Ganztagsschule sieht Dr. Kübler zudem eine Chance, noch mehr als bisher über den fachspezifischen Tellerrand hinauszuschauen und Wissenschaft politisch zu hinterfragen. Beispiele hierfür seien Atomphysik und Gentechnologie. Eine Ganztagsschule muss der geforderten Qualifizierungsoffensive gerecht werden und eine neue Qualität in die Schule hineintragen.

"Die Schule von heute leidet unter einem Inseldasein", kritisierte Lorey. Sie zu öffnen, in der Wirtschaft geforderte Qualifikationen über Honorarkräfte hineinzutragen und damit Praxisnähe herzustellen, ließe sich in der erweiterten Schulzeit ebenso realisieren wie diverse Fördermaßnahmen, um Lern- oder Sprachdefizite auszugleichen.

Ganztagsschule bietet darüber hinaus die Chance für eine bessere Kommunikation zwischen den Schulzweigen. Es wird weitaus mehr Schnittstellen zwischen Haupt-, Realschule und Gymnasium geben, die eine höhere Transparenz erfordern.

Hinzu kommt: Die Geschwister-Scholl-Schule besuchen Schüler aus 46 Nationen. Eine enorme Herausforderung, die auf Seiten der Lehrkräfte Professionalität voraussetzt. Die zusätzliche Zeit in der Ganztagsschule eröffne neue Wege, um kulturelle Besonderheiten kennen und schätzen zu lernen.

Als Dr. Kübler seine "Amtszeit" als Vorsitzender des Schulelternbeirates Revue passieren ließ, erinnerte er an weitere Möglichkeiten, Schule gemeinsam im Verbund von Lehrern, Schülern und Eltern zu gestalten. Durch die zahllosen Gespräche mit der Stadt habe man verhindern können, dass vis-a-vis vom Schulgelände ein großer Supermarkt entstehen konnte. Damit sei gleichzeitig deutlich geworden, dass Schule ihre Interessen in den politischen Gremien erfolgreich vertreten und durchsetzen könne. moni

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