Junge Talente stellen ihre Gedichte und Geschichten vor

Neue Auflage des Bands "Sophies Phantasien" erschienen / Jugendliche setzen sich mit vielfältigen Themen auseinander

Seit einigen Tagen liegt der vierte Band von "Sophies Phantasien" aus der Schreibwerkstatt der Geschwister-Scholl-Schule vor. Unter dem Titel "Nahaufnahmen" haben junge Schreibtalente aus unterschiedlichen Schulzweigen ihre Erfahrungen, Gefühle, Erlebnisse und Hoffnungen festgehalten.

Die 120 Seiten stark Sammlung aus Gedichten und Kurzprosa ist untergliedert in die Bereiche Abenteuer, Erinnerungsstücke, Fundsachen, Konflikte und Alltag. Aufgelockert wird der Band durch atomsphärisch dichte Fotografien, die etwas von der Faszination des Lesens und des Bücherwürmer-Daseins vermitteln. Einmal mehr legt die GSS damit einen lesenswerten Band vor, der nicht zuletzt von der Kreativität der Schüler und von der großen Bedeutung des Schreibens zeugt.

50 Texte auf 120 Seiten

Zur Vorstellung der "Phantasien IV" begrüßten Schulleiter Dieter Zangmeister sowie Andrea Eberhardt und Jörn Borges, die seitens des Lehrerkollegiums für die Literaturwerkstatt zuständig sind, die Gäste in der Schulbibliothek.

Sie gaben einen Überblick über die rund 50 Texte, die vom Kurzkrimi bis hin zu sorgsam geschmiedeten Versen reichen. Im Rahmen der Lesung kamen mehrere Autoren zu Wort. Die Kostproben vermittelten einen ersten Eindruck von der Vielfalt der Themen, Genres und literarischen Vorlieben.

sophie Vorstellung

Der Siebtklässler Jan Luca Werner eröffnete die Lesung. Seine Kurzgeschichte "Das Tier" beginnt mit einem malerischen Bild: Eine Nussschale treibt auf dem Meer, wird von den Wogen sanft hin und her gespült. Doch die Idylle trügt, die Harmonie ist nur von kurzer Dauer. Ein Schiff taucht auf, die Seeleute erweisen sich als wenig zimperlich. Der Kartograph Levine probiert die Frucht, die in ihm eine "Mordslust" entfacht.

Der innere Monolog "Erinnerungen" von Julia Kratz (Klasse 13 a) zieht den Leser tief in das Seelenleben der Protagonistin hinein und fördert Empfindungen einer längst vergessenen Liebe zutage. Es ist eine Beziehung, die scheinbar "nur für einen kurzen Wimpernschlag" bestand und die als "wundervolle Fantasie" erlebt wird, "in der die Zeit stillstand".

Wie sich Liebe anfühlt, wenn sie aufgrund der großen Distanz zur Sehnsucht wird, beschreibt Sonja Petrullat (13 a) in "Silberengel". In "Feenzauber" erzählt die Siebtklässlerin Judith Weisenstein von einem Mädchen, das von dem Gerede seiner Schwester maßlos genervt ist: Wie kann man nur an Feen glauben? Bis sie eines Tages selbst eine Begegnung der etwas anderen Art hat und von dem bewegenden Schicksal einer versteinerten Fee erfährt.

Tagträume und ihre Folge

Mathematik ist nicht jedes Schülers Lieblingsfach. In "Tagträume und ihre Folgen" berichtet Johannes Koebe (13a) von einer dreistündigen Matheklausur. Der Protagonist der Geschichte, ein "Hohlbrot in Mathe" mit "null Ahnung", fragt sich, wie er die Klausurzeit verbringen soll. Er könnte sich geistig und seelisch schulen, indem er seine Mitschüler stört.

Sollte er dem Klassen-Oberstreber vielleicht einen verfaulten Brotrest an den Kopf werfen, den er im Mäppchen seines Tischnachbarn gefunden hat, der inzwischen eingeschlafen ist und "sich allmählich durch die Tischplatte" sägt?

Nicole Brinkmann (10Ra) entwirft in dem Gedicht "Von Türen und dem flüchtigen Leben" das Bild einer lichten Welt, in der Glanz, Alltäglichkeit und Vergänglichkeit verschiedene Seiten ein und derselben Medaille sind. Die Texte verdeutlichen die große Bedeutung des Schreibens. Jenseits vom kommerziellen Literaturbetrieb dient es der Auseinandersetzung mit der Umwelt, mit Gefühlen, zur Ordnung und Systematisierung der Gedanken.

Zugleich ist es ein kreativer Prozess, der beflügelt, der dazu beiträgt sich auszuprobieren, neue (Ausdrucks-) Möglichkeiten zu entdecken und sich neue Horizonte zu erschließen. Zu allen Inhaltskategorien gab es Kostproben.

Das Publikum war von den mal zauberhaften, mal realitätsnahen Texten begeistert. Rico Oswald ergänzte die Lesung um rhythmisches Trommelgewitter und damit um einen musikalischen Leckerbissen ganz ohne Worte.

Preisträger ausgezeichnet

Die Lesung diente zugleich als Plattform für die Auszeichnung der "GSS-Literatur-Preisträger". Die Juroren Gabriele Thiele, Stefan Dechert (beide aus dem Lehrerkollegium) und Schulsprecherin Handan Topal stellten sich der Aufgabe und wählten aus einer Vielzahl von Beiträgen ihre Favoriten aus.

Über einen Büchergutschein freuten sich die Sieger Jan Luca Werner (7Gb), Johannes Koebe (13a) und Nicole Brinkmann (10Ra).

moni

Bergsträßer Anzeiger

24. Januar 2011

 



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