Wie man Leseratten Futter verabreicht |
Aktion Lesepower: In der Geschwister-Scholl-Schule haben "Lesescouts" viel zu tun / Quizfragen und Buchvorstellungen"Jetzt geht es an den Computer", jubelte ein Fünftklässler und gestand ein, dass er lieber einen weiten Bogen um die Bücherwelt schlage. Er blühte beim virtuellen Fußballspiel auf und schoss per Mausklick die Elfmeter. Das Duell gegen den Torwart konnte er allerdings nur für sich entscheiden, wenn er den Bruchstücken einer Fantasiesprache genau zugehört hatte und die schriftliche Version richtig identifizierte. Auch wenn der PC-Freak zunächst in cooler Pose vorgab, vom Lesen wenig zu halten, fand er im Laufe des Vormittags Spaß am Stoff zwischen den Buchdeckeln. Im Rahmen der Aktion "Lesepower" durchlief er gestern mit seiner sechsköpfigen Kleingruppe in zwei Schulstunden fünf Stationen mit ganz unterschiedlichen Herausforderungen. An einigen ging es ruhig und entspannt zu, an anderen stieg der Adrenalin-Pegel im Wettlauf gegen die Zeit mächtig an. BAnane-Redaktion informierteUnter der Regie der Lehrerin Andrea Eberhardt setzten die als "Lesescouts" ausgebildeten Schüler aus höheren Jahrgängen im Nachklapp zum "Welttag des Buches" ein weiteres Mal Akzente. Sie bauten im Forum einen Lese-Parcours auf, durch den sich die Fünftklässler aller drei Schulzweige in Kleingruppen wühlten. Das Paket erwies sich als eine gut ausbalancierte Mischung zwischen entspanntem Zuhören und eigenem Tun. Eine Station war bestückt mit der "BAnane", die wöchentlich die Jugendredaktion des Bergsträßer Anzeigers verfasst. Die Schüler hatten die Seite gut zu studieren, um die Quizfragen korrekt beantworten zu können. Das kostete Mühe und Anstrengung. Sie hatten sich in die Artikel einlesen, um zu wissen, woran man Bio-Eier erkennt, wie alt Prince William und seine Verlobte sind und was für Mayte und Carl out ist. Die Suche nach den richtigen Informationen wurde zu einem Wettlauf gegen die Zeit. An jeder Station konnten sie nur eine Viertelstunde verweilen. Wer das Medium zum ersten Mal in der Hand hielt, hatte Orientierungsprobleme. Doch die fleißigen Leser erreichten tatsächlich die volle Punktzahl. Als noch größere Hürde entpuppten sich die Quizfragen zur vierten Station. Auf einem Tisch lag ausgewählte Literatur aus der Belletristik, zur Geschichte wie auch zu den Naturwissenschaften. Um die zwölf Fragen richtig zu beantworten, musste man sich in der Welt der Bücher gut auskennen. Wer wusste, wo man Informationen zum Autor und zum Erscheinungsjahr beziehen kann und welche Funktion dem Klappentext zukommt, konnte seinen zeitlichen Vorsprung ausbauen. Eine Kleingruppe ging sehr geschickt vor. Sie teilte den Fragenkatalog unter sich auf, so dass sich jeder nur um einen kleinen Part kümmerte. Die Ergebnisse aus dem Quiz werden die Lesescouts noch auswerten. Die Besten können sich über einen kleinen Gewinn freuen. Der Büchertisch wirkte nachhaltig. Zwei Mädchen schauten in der Pause noch einmal vorbei, um einen Blick in die schön aufgemachten Geschichtsbücher zu werfen. Vor allem wollten sie die Pop-Art-Elemente ausprobieren. Auf einem Bild öffnete sich wie ein Vorhang die "Berliner Mauer", so dass man auf die andere Seite der Metropole schauen konnte. Nach der Hektik genossen die Mädchen und Jungen die ruhigeren Stationen. In einem kleinen Raum machte man es sich bei Kerzenlicht auf Sitzkissen bequem. Man kostete die feine Ironie in "(K)ein Junge wie Paul(a)" aus. Der Protagonist ist ein Nachwuchskicker, der dem Nationalspieler Schweinsteiger nicht nur auf dem Fußballplatz nacheiferte und nun geschniegelt vor dem Traualtar stehen musste. Die Qual der Wahl hatten die Schüler bei einer Buchvorstellung. Jennifer Schlink und Christina Knuth von der Buchhandlung Schlapp hatten sechs Werke zur Auswahl: Sollte es Fantasy, ein Krimi oder eine Geschichte sein, die die Gefühlslagen der Jugendlichen trifft? "Jede Gruppe wollte wissen, wie es in 'Hugos geniale Welt' von Sabine Zett zugeht?" meinte Jennifer Schlink. Hauptfigur ist der coolste Junge an der Schule, der beste Fußballer, Handballer und Schwimmer gleichzeitig. Die hübsche Viola himmelt den Star an. Doch alles entpuppt sich als Traum eines Durchschnittstypen, der gern Superheld wäre. Buchvorstellung und ParcoursDie acht Lesescouts hatten viel zu tun, um Kleingruppen durch den Parcours zu dirigieren. Im Vorfeld hatten sie zusammen mit Andrea Eberhardt das Forum mit selbstbemalten Papiertüten geschmückt, betreuten nun Stationen und werteten das Quiz aus. "Es macht uns viel Spaß", beteuerte Ela, die seit drei Jahren als Scout wirkt. Scouts gibt es seit sechs Jahren an der Scholl-Schule. Die Idee kam von der Initiative Stiftung Lesen, die den ersten Jahrgang für die neue Aufgabe schulte. Mit der zweitägigen Lesepower-Aktion gingen sie bereits in die fünfte Auflage. Darüber hinaus besuchen sie Klassen im Unterricht und stellen interessante Bücher vor oder geben zu einigen Werken aus der Kinder- und Jugendliteratur Kritiken ab. Und nicht zuletzt besuchen sie das benachbarte Altersheim und packen - abgestimmt auf die Jahreszeit - nette Geschichten im Rahmen eines Vorlesenachmittags aus. moni Bergsträßer Anzeiger
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