Kein alltägliches Einser-Abi

Drei Schüler mit Migrationshintergrund haben sich durchgesetzt

Es wird ein Einser-Abi. Das steht jetzt schon fest. Romal Chadda aus Afghanistan und Hasan Sogukcesme aus der Türkei sind da ganz sicher. Die Lieblingsfächer an der Geschwister-Scholl-Schule in Bensheim sind Mathematik und die Naturwissenschaften. Darin sind sie so gut, dass sie sogar in der Oberstufe Nachhilfe und Verstärkungsunterricht geben können, denn gerade Mathe ist ein Problemfach bei vielen Mitschülern.

"Da ist es schön, wenn man etwas zurückgeben kann", finden die beiden. Samantha Marino aus Italien ist zwar erst in der 12. Klasse, doch auch sie glänzt mit guten Noten. Drei Schüler mit Migrationshintergrund. Was ist ihr Erfolgsrezept? "Ab der achten Klasse habe ich gewusst, worum es geht und dann richtig Gas gegeben", sagt Samantha. Romal und Hasan berichten Ähnliches: "Man muss einfach wollen und dann auch etwas dafür tun."

Durchbruch in der Mittelstufe

Jeder hat eine eigene Geschichte. Gemeinsam ist, dass sie alle zunächst die Realschule besucht haben. Samanthas Familie ließ sich in Bensheim nieder, als sie gerade drei Jahre alt war. Sie tat sich in Kindergarten und Grundschule recht schwer. Auf Elternwunsch hin kam sie in die Realschule. Auch hier fiel ihr das Lernen nicht so leicht, besonders in Mathe. Bis dann in der achten Klasse der Durchbruch kam, auch, weil sie sich durch ihre Klassenlehrerin gefördert fühlte. Mit einem Notendurchschnitt von 1,9 wechselte sie dann nach der 10. Klasse in die Oberstufe.

Romal kam 1999 mit sieben Jahren nach Deutschland. Die Familie zog nach Gadernheim, und dort besuchte er die Grund- und Realschule. Auch er tat sich anfangs schwer, schaffte aber in der siebten Klasse den Durchbruch und schloss die Realschule mit einem Notendurchschnitt von 1,3 ab. Vor dem Wechsel in die Oberstufe der GSS plagten ihn Bedenken, ob das Gymnasium nicht zu schwer für ihn sei.

Bildung hat oberste Priorität

Da für seine Familie Bildung oberste Priorität besitzt, ließ er sich doch darauf ein und dann: "Ist es doch gut zu schaffen", sagt er. Romal schätzt am deutschen Bildungssystem, dass jeder die Chance hat, ganz nach oben zu kommen. In vielen anderen Ländern bereitet die Schule nur auf das Arbeitsleben vor, weiterführende Ausbildung muss teuer bezahlt werden.

Hasan kam 1995 mit vier Jahren in den deutschen Kindergarten, auch er hatte anfangs große Probleme, sich einzugewöhnen, zumal die Familie in der ersten Zeit häufig umziehen musste. Aufgrund eines Irrtums besuchte er zunächst die Realschule, obwohl er eine Empfehlung für das Gymnasium hatte. Seine Eltern kannten sich mit dem deutschen Schulsystem nicht aus. Erst durch die Initiative seiner Lehrer besuchte er ab der siebten Klasse das Gymnasium.

Hasan erzählt, dass ihm seine Eltern bei der Integration nicht viel helfen konnten. Das liege, so meint er, auch an der Arbeitswelt, denn es gebe kaum Kommunikation zwischen Arbeiter und Arbeitgeber. Er habe sich selbst einen Freundeskreis suchen müssen. Eine große Hilfe dabei war sein deutscher Freund in der Grundschule.

Auch für Romal waren seine Mitschüler und sein deutscher Freund sehr wichtig, zusätzliche Hilfe boten die eigenen Familienmitglieder und nicht zuletzt der Unterricht "Deutsch als Zweitsprache", denn die Sprache bildet das größte Handicap bei der Integration.

Jetzt in der Oberstufe fühlen sich alle drei Schüler wohl. Romal und Hasan sind befreundet und beide haben sowohl einen deutschen als auch ausländischen Freundeskreis. "Da muss man Rücksicht nehmen", sagt Hasan, "die Freunde sind verschieden von Kultur zu Kultur. Und bei den Deutschen muss man zeigen, dass man sich normal benimmt, dann wird man aufgenommen".

Geld spielt keine Rolle

Auch Romal fühlt sich gut integriert. Für ihn ist die Schule ein wichtiger Faktor, weil sie die Zukunft schreibt. Insgesamt findet er es einfacher, ausländische Freunde den deutschen vorzustellen als umgekehrt. Seine ausländischen Freunde bleiben lieber unter sich, da sie sich untereinander länger kennen und dadurch mehr vertrauen.

Während Samantha früher ihre Freizeit hauptsächlich mit ausländischen Freunden verbrachte, hat sie heute fast nur mit Deutschen zu tun. Das liegt vor allem an der Schule. Sie findet gut, dass es an der GSS keine Rolle spielt, wie wohlhabend die Eltern sind und es nicht in erster Linie darum geht, Eliten auszubilden, sondern jeden Schüler so zu fördern, dass er den bestmöglichen Abschluss erreichen kann.

Sie versteht sich gut mit ihrem Jahrgang, und sie verbringen viel Freizeit zusammen. Die Teilnahme am Wettbewerb "Jugend debattiert" (Schulsiegerin 2011) oder im Fach Darstellendes Spiel bringt viele Impulse. "Das ist zeitmäßig mein drittes Leistungsfach", lacht sie, "es stehen zwar nur drei Stunden im Plan, aber vor Aufführungen proben wir an Wochenenden manchmal zwölf Stunden." Aber das ist Ausgleich, macht Riesenspaß, genauso wie das Casting für ihre Bewerbung als Bensheimer Blütenkönigin.

Pläne für die Zeit nach dem Abi hat Samantha nicht, aber sie hat ja noch ein Jahr Zeit. Romal und Hasan wissen dagegen genau, wie es nach der Schule weitergehen soll: Romal will Maschinenbau in Darmstadt studieren und Hasan Medizin. red

Bergsträßer Anzeiger
8. Juni 2011


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