Theatergruppe der Geschwister-Scholl-Schule gastierte im "Mobile" mit der Komödie "Warten auf Gerard"
Drei junge Frauen stimmen den Abgesang auf die Paschas und Machos an. Sie hissen eine kämpferische Fahne gegen ihr maskulines Pendant. Oder doch nicht? Mit derben Sprüchen auf den Lippen und einer lässigen Haltung treffen sie ins Mark der Männerwelt und schwören sich auf den Feminismus ein. Halten sie ihn auch durch?
Vor allem für männliche Zuschauer dürfte die Inszenierung der Theatergruppe der Bensheimer Geschwister-Scholl-Schule (GSS) keine leichte Kost gewesen sein. Trotz aller ironisch überzogenen Momente stehen Männer im Lichte der Aufführung und unter Beschuss. Ohne dass man sie zu Gesicht bekommt, genießen sie in "Warten auf Gerard", der Komödie von C. Ebbenroth, eine ungeahnte Präsenz.
Die Inszenierung war jetzt im Rahmen einer Theater-Doppelnacht der GSS-Oberstufenschüler im Zwingenberger "Mobile" zu erleben. Die drei Schauspielerinnen lieferten den Zuschauern viel Stoff zum Amüsement und zur Diskussion.
Vielfältige Erfahrungen
Die mit Tüchern und Stoffen ausstaffierte Bühne war die Wohnstube der Frauen-WG. In ihren Gesprächen drehte sich alles um ihre Erfahrungen mit Männern. Die Drei brachten unterschiedliche Hintergründe, Sichtweisen und gedankliche Horizonte ein. Sie warfen eine Bandbreite von Fragen und Lebensentwürfen auf.
Linda beispielsweise kehrte gerne die Seite einer Femme fatale hervor. ,,Man muss wissen, wie man die Männer anfassen muss", ließ sie ihre eher romantisch veranlagte Mitbewohnerin wissen. Sie gab sich locker, cool und überlegen. "Keiner darf das Gefühl haben, dass ich ihm gehöre." Sie begriff sich als Nutznießerin vieler Bekanntschaften. Denn das motiviere die Männer, um sie zu werben.
Am Ende schwanger
Die vielen Telefonate, die der Anrufbeantworter abfing, schien zu bestätigen, dass ihre Rechnung aufgeht. Auf diese Weise glaubte sie, sich die nötigen Freiheiten zu verschaffen, die ihr guttun. Den Einladungen zum Essen folgten Offerten zu einem gemeinsamen Urlaub auf der anderen Seite der Erdhalbkugel. Wie lässt sich da eine Schwangerschaft einbauen, mit der sie am Ende des Stücks konfrontiert war?
Ihre Gegenspielerin war die Medizinerin Christine. Sie führte das Scheitern ihrer Ehe darauf zurück, dass Arbeit und Beziehung nicht unter einen Hut zu bringen waren. Um ihr Berufsleben nicht aufs Spiel zu stellen, trieb sie sogar ab. "Die Beziehung mit Stefan hatte Würde", unterstrich sie. Christine klebte regelrecht an Vorstellung einer Beziehungsromanze. Sie schwärmte vom Kavalier und träumte von der Wärme einer Zweisamkeit. Ihr Vorbild war ihre Freundin Barbara, die das Ideal einer harmonischen Ehe verkörpere. Das Blatt sollte sich alsbald wenden. Barbara tauchte plötzlich als Getrenntlebende auf und öffnete den Vorhang ihrer gelebten Ehe. Sie war wütend und bitter enttäuscht. Während sie die brave Hausfrau im sittsamen Schottenkarorock zu spielen hatte, schaute er jeder Frau im attraktiven Gewand mit glühenden Augen hinterher.
Die WG bereitete ihr den Boden für eine diametrale Kehrtwende. Sie schrie, trampelte und ertränkte ihren Frust im Cognac. Sie prostete ihren Freundinnen zu: ,,Auf uns und die Freiheit". Schon bald kannte sie kein Pardon mehr: ,,Männer denken nicht, sie können sich nicht einmal mit Tieren messen. Beim Tier erkennt man wenigstens von weitem, was es ist." Sie stößt kompromisslos das Tor zu einer ungeahnten Freiheit auf.
Inszenierung mit Tiefgang
Den drei Akteurinnen gelang es, die Befindlichkeiten der drei Frauen mit psychologischer Tiefe in Szene zu setzen. Sie gaben dem emotionalen Ausdruck und der Situation eine Intensität und setzen gekonnt kleine ironische Spitzen.
Die drei "Möchte-Gern- Feministinnen" wälzten Problem mit den Herren der Schöpfung und bestimmten ihre eigene Position neu. Die Möchtegern-Liebhaber meldeten sich ständig zu Wort und ließen den Telefondraht heiß laufen. Auf dem Anrufbeantworter hinterließen sie ihre Handschrift: Mit säuselnder Stimme im französischen Akzent kokettierte Gerald, während Pedro und Simon sich mit Charme aufplusterten. Nicht nur die Frauen auf der Bühne machten sich über sie lustig.
Offene Fragen
Doch trotzdem traten Linda, Christine und Barbara in genau diese Fettnäpfchen: Sie fühlten sich geradezu geschmeichelt und umgarnt. Ab und an wetteiferten sie gar, wer zuerst den Griff zum Telefon landet. Lässt sich die Theorie des Lebensentwurfs tatsächlich nicht in die Gefühlswelt implantieren, fragt sich der Zuschauer.
Die Gratwanderung zwischen Bauch und Kopf machte sich häufig in Ironie Luft. Die Aufführung lässt offen, welchen Weg die drei Frauen einschlagen werden.
Quelle: Bergsträßer Anzeiger
07. Juni 2010/Monika Hälker
letzte Aufführung: 16. Juni (Mi) 18:00 Uhr „Warten auf Gerard“ - 70 Min.
im Rahmen der
Schultheatertage; Mollerhaus, Darmstadt
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