Bewusstsein für Demokratie wecken |
Förderpreis für zwei Schülerprojekte vergeben / Erinnerung an die Geschwister SchollBensheim. Am 22. Februar 1943 wurden die Geschwister Scholl und Christoph Probst nach einem Schauprozess vor dem Volksgerichtshof unter Vorsitz des "Blutrichters" Roland Freisler hingerichtet. Es ist bereits zur Tradition geworden, dass die nach den Geschwistern Scholl benannte Kooperative Gesamtschule an diesem Tag nicht einfach zur Tagesordnung übergeht, sondern in allen Klassen das Geschehnis bespricht und nach den Lehren fragt, die die Jugendlichen in der heutigen Zeit ziehen könnten. Welches Handeln von uns wäre im Sinne von Sophie und Hans Scholl? Erstmalig wurde der Tag mit der Verleihung des Förderpreises Demokratisches Handeln begonnen, ausgelobt von der Schulelternschaft und dem "Verein Freunde der Geschwister-Scholl-Schule Bensheim e.V". Schon seit etlichen Jahren wird an der GSS dieser Förderpreis verliehen. Schülerinnen und Schüler aller Schulformen sind aufgerufen, Projekte durchzuführen, die das Bewusstsein für demokratisches Miteinander erweitern können. Ausgezeichnet wurden dieses Mal zwei Arbeiten aus dem letzten Schuljahr, beide stammen von Schülerinnen und Schülern der damaligen Jahrgangsstufe 10. Eine von Frau Zotz betreute Arbeit hatte den Umgang mit Behinderten zum Thema. Die Teilnehmer besuchten die Gedenkstätte Hadamar, also jenen Ort, an welchem in der NS-Zeit Behinderte ermordet wurden. Die von Franz Josef Schäfer betreute Arbeit stellte die Ahmadiyya-Gemeinde Bensheim in den Mittelpunkt. Die Schüler waren zu Gast in der Bensheimer Moschee und durften auch an der Jahrestagung der deutschen Ahmadiyya-Gemeinden in Mannheim teilnehmen. Der Jahrestag stand diesmal im Zeichen der Literatur. Ein Lehrerteam hatte eine Vielzahl von Texten, Liedern, Bildern zusammengetragen und nach Jahrgangsstufen differenziert zur Verfügung gestellt. Und so befasste sich nicht nur die Oberstufe mit Texten und Gedichten zur Thematik, sondern auch die Klassen fünf bis acht nutzen Bild- und Briefmaterial, um der Geschwister Scholl zu gedenken. Die Jahrgangsstufe 10 hatte über den Kontakt zum Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrum Osnabrück einen besonderen Zugang zu der Thematik. Das Institut hatte didaktisches Material angeboten, welches Claudia Glunz, Mitarbeiter des Zentrums, in einer Präsentation über das Leben und Werk des bekannten Autors vorstellte. Im Unterricht hatten sich die Schüler mit Remarques Roman: "Die Nacht von Lissabon" befasst. Am Gedenktag wurde eine Verfilmung dieses Romans gezeigt. Für die Jahrgangsstufen 9 konnte der renommierte Referent Dr. Fritz Kilthau gewonnen werden, der den Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge leitet. Die Veranstaltung wurde in der ehemaligen Synagoge Auerbach in der Bachgasse durchgeführt. Der Referent sprach zu den Jugendlichen über den Antisemitismus hier im Kreis Bergstraße in der NS-Zeit und die Pogrome im November 1938. Vorgesehen war eine weitere Veranstaltung mit Claudia Noth, Witwe des Schriftstellers Ernst Erich Noth, der vor hundert Jahren geboren wurde und 1983 in Bensheim starb. Noth war 1933 der jüngste Emigrant. Leider musste Frau Noth aus gesundheitlichen Gründen absagen, möchte aber am Scholl-Gedenktag 2011 die GSS in Bensheim besuchen. zg Bergsträßer Anzeiger
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