Jugendliche erhalten ein Finanz-Zeugnis

Schuldnerberatung als Unterrichtsfach / Pilotprojekt der Arbeiterwohlfahrt geht in die nächste Runde

Das Projekt "Finanzführerschein" der Arbeiterwohlfahrt ging jetzt in eine weitere Runde. Rund 150 Schüler der Geschwister-Scholl-Schule haben sich im Unterricht mit dem Kleingedruckten in Kaufverträgen, mit Krediten und Internetgeschäften auseinandergesetzt.

Ziel der Präventionsmaßnahme ist es, die finanzielle Kompetenz von Jugendlichen zu stärken und ein vernünftiges Konsumverhalten zu betonen. Federführend organisiert wird das Projekt von der Schuldnerberatung und der Jugend- und Drogenberatung "Prisma", die unter dem Dach der AWO zusammenarbeiten.

Vier Schulstunden

In vier Schulstunden erfahren die Schüler eine Menge über den Umgang mit Geld und lernen, wie man es vermeidet, bereits in jungen Jahren in die Schuldenfalle zu tappen. Der "Führerschein" ist ein Zertifikat für erfolgreiche Absolventen, der nach einem bestandenen Test an die Teilnehmer ausgehändigt wird. In der GSS erhielten gestern Jugendliche aus neun Klassen der Haupt- und Realschulzweige sowie aus dem Gymnasialzweig ihre Finanz-Zeugnisse.

Damit besitzen sie eine stabile Basis für vernünftige und weitsichtige finanzielle Entscheidungen in einer Welt voller Werbung und Konsumdruck. Die Experten der Schuldnerberatung wissen, dass nicht nur Handy, Kleidung und Unterhaltungselektronik eine immense Verführungskraft besitzen. Erreicht werden sollen insbesondere jene, die mit dem ersten eigenen Geld haushalten müssen.

Umfragen zufolge sind bereits rund sieben Prozent der 15- bis 24-jährigen Jugendlichen in Deutschland überschuldet. Die AWO-Mitarbeiter Martina Sardi ("Prisma") und Melanie Schilling gehen in die Schulen, um die Lehrer in puncto "Money-Tuning" fit zu machen. "Die Pädagogen werden zu Multiplikatoren", sagt Melanie Schilling von der Schuldnerberatung.

Mit ihrem neuen Wissen können sie langfristig als Vermittler finanzieller Kompetenzen tätig sein und sind nicht an den begrenzten Zeitraum des schulischen Projekts gebunden. Die Nachhaltigkeit und der integrative Charakter sind ein wichtiger Faktor für die Breitenwirkung des Präventiv-Konzepts. Zugeschnitten ist der "Führerschein" auf die Klassen acht bis 13 aller Schulformen. Also für alle Jugendlichen, die an der Schwelle zu Ausbildung und Berufseinstieg stehen.

Seinen Ursprung hat das Konzept beim Verein Schülerhilfe in Essen, wo es seit Jahren sehr erfolgreich durch die Schulen tourt. Auf der Basis eines Kreistagsbeschlusses aus 2008 wurde im letzten Jahr das Bergsträßer Pilotprojekt gestartet. Unter den ersten Partnern im Kreisgebiet waren die Bensheimer Heinrich-Metzendorf-Schule und die GSS. Wie der Leiter des Hauptschulzweigs, Fritz Eberhardt, miteilte, haben gut zwei Drittel der teilnehmenden Schüler die Prüfung bestanden. Je nach Klassenstufe werden ein kleiner oder ein großer "Finanzführerschein" erworben.

Kostenloses Förderprojekt

Die Arbeiterwohlfahrt möchte das kostenfreie Förderprojekt weiter ausweiten und noch mehr Schulen ins Boot holen. Durch die positive Bilanz des ersten Jahres und das wachsende Interesse der Bergsträßer Bildungshäuser stehen die Zeichen gut, dass es im Kreisgebiet künftig viele Jugendliche gibt, die sich mit einem entsprechenden "Führerschein" sicher und unfallfrei auf finanziellem Parkett bewegen können.

Auch ein praktischer Nutzen ist geboten: Bei Bewerbungen kann das Dokument dem Arbeitgeber eine gewisse finanzielle Kompetenz signalisieren. tr

Bergsträßer Anzeiger
04. Februar 2010

 



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