
Frühmorgens ohne Fahrradlicht zur Schule
Viele Schüler, die morgens mit dem Fahrrad zur Schule radeln, benötigen einen guten Schutzengel. Die erste Stunde beginnt bereits vor 8 Uhr, da ist es in dieser Jahreszeit noch dunkel. Und so fahren die kleinen Rennfahrer dann los: ohne Helm, ohne Licht, dafür mit dunkler Kleidung und oft mit einem Fahrstil, der in keinem Paragraphen der Straßen-Verkehrsordnung vorgesehen ist.
Damit die unentbehrlichen Schutzengel etwas entlastet werden, führt der Allgemeine Fahrrad-Club Deutschland (ADFC) in Zusammenarbeit mit einigen Lehrern jedes Jahr im Dezember an der Scholl-Schule einen „Licht-Check“ durch. An einem Morgen wird bei allen Fahrrädern, die den großen Abstellplatz der Schule ansteuern, überprüft, ob die Beleuchtung funktioniert und ob vorn, hinten und in den Speichen Reflektoren angebracht sind.
Wenn alles in Ordnung ist, bekommt der umsichtige und gut sichtbare Radler eine leckere Brezel. Wenn nicht, erhalten die Eltern ein freundliches Schreiben vom ADFC. Dieses Jahr gab es 117 Brezeln und 90 Briefe. Das ist ein etwas besseres Ergebnis als im letzten Jahr und ein deutlich erfreulicheres Resultat als vor zwei Jahren.

Woran liegt es, dass immer noch so viele Schüler gefährlich getarnt durch die Dunkelheit düsen? Die Frage geht an Craig Muma. Der gebürtige US-Amerikaner ist leidenschaftlicher Radfahrer und Lehrer im Nachmittags-Unterricht an der Scholl-Schule. „Die Kids wollen ein cooles Fahrrad haben, vielleicht ein BMX-Rad ohne Beleuchtung und ohne ordentliche Bremsen. Aber so ein cooles BMX-Rad gehört auf die Halfpipe, aber nicht völlig unbeleuchtet auf die dunkle Straße. Mancher Fahrradhändler,“ so fügt Craig Muma hinzu, „sagt nicht, wie gefährlich das im Straßenverkehr ist. Aber dann sollten sich wenigstens die Eltern weigern, ein unsicheres Fahrrad zu kaufen. Leider achten viele Eltern auch später nicht mehr darauf, ob Licht und Bremsen funktionieren.“
Entsprechend sahen auch manche Fahrräder aus, mit denen die Schüler an diesem Morgen auf den Schulhof einbogen: Einige hatten gar keine Lichtanlage, bei anderen drückte der Dynamo nicht mehr gegen den Reifen. „Nur ein Naben-Dynamo ist richtig zuverlässig, auch bei Nässe“, sagt Craig Muma.
Seine Freunde vom ADFC und seine Kollegen von der Scholl-Schule wollen nicht locker lassen. Nächstes Jahr wird es wieder einen Licht-Check geben – zur Sicherheit der Kinder und zur Entlastung der Schutzengel.
R. Poggenhans
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