Willi-Graf-Platz nach dem Mitglied der "Weißen Rose" benannt

Widerstand kostete Willi Graf das Leben - Schwester des Nazi-Gegners erzählte aus ihrem Leben

Willi Graf war Mitglied der "Weißen Rose". Die Organisation leistete von Juni 1942 bis Anfang 1943 aktiven Widerstand gegen das Nazi-Regime. Die Mitglieder verteilten Flugblätter, prangerten Verbrechen und Gewaltherrschaft an, schrieben Parolen an öffentliche Gebäude.

Dafür bezahlte Willi Graf - wie auch die Geschwister Scholl - mit dem Leben. Nach achtmonatiger Haft wurde das Urteil des Volksgerichtshofes vollstreckt. Die Geschwister-Scholl-Schule widmete dem Widerstandskämpfer einen Platz auf ihrem Außengelände. Schulleiter Dieter Zangmeister freute sich, am Freitag die Schwester des Ermordeten, Anneliese Knoop-Graf, begrüßen zu können.

Sie war bereits zehnmal in der GSS zu Gast. Die 88 Jahre alte Zeitzeugin erzählte den Schülern der Oberstufe, wer ihr Bruder war und was ihn dazu bewog, sich dem Regime zu widersetzen. Er wusste, dass eine Festnahme und Verhaftung den Tod bedeuten würde.

"Ein einsamer Tod"

Willi Graf wurde wie Hans und Sophie Scholl am 18. Februar 1943 festgenommen. Die Geschwister wurden vier Tage später hingerichtet, Will Graf erst am 12. Oktober. "Er starb einen einsamen Tod", so seine Schwester. Die acht Monate, die er im Gefängnis verbrachte, waren gespickt mit Verhören.

Man habe gehofft, ihrem Brüder weiterführende Informationen über die Weiße Rose entlocken zu können. Doch er habe geschwiegen. Die Familie erhielt lediglich eine Urkunde, die über den Tod durch Hinrichtung informierte. Ein Protokoll, das dem Volksgerichtshof zuging, nannte die exakte Hinrichtungszeit.

Frau Graf berichtete von ihrer Kindheit in Saarbrücken. Ihr Bruder habe sich schon als Jugendlicher geweigert, in die Hitlerjugend einzutreten. In seiner Klasse sei er der Einzige von zwölf Jungen gewesen, die nicht beitraten. Ihm sei klar gewesen, dass er damit den Zugang zur Universität gefährden würde. Er trat für die humanistischen Werte ein, für die die Nazi-Diktatur nur Spott und Verachtung übrig hatte. Er starb in dem Glauben an die "Sinnhaftigkeit der Ereignisse", wie er aus dem Gefängnis schrieb.

Anneliese Graf berichtete weiter, dass ihr Bruder im Krieg Sanitäter gewesen sei, was ihn in seiner humanistischen Haltung bestärkt habe. Als Student in München trat er der "Weißen Rose" bei. Er stellte sich damit in den Dienst einer Sache, "von der er überzeugt war". Ihr Bruder sei bis zum Schluss einen gradlinigen Weg gegangen.

Seine Eltern und Geschwister erfuhren wenig darüber, was er tat. Die Schwester erinnert sich an Andeutungen. "Es muss etwas getan werden, auch wenn es den Kopf kostet", habe er einmal gesagt. Einige Wochen habe sie in München bei ihrem Bruder und den Geschwistern Scholl verbracht. Die politischen Diskussionen habe man von ihr ferngehalten. Eines sei jedoch deutlich geworden: "Sie waren keine Helden, sondern wollten das Nötige tun, um Hitler zu beseitigen."

Nicht nur bei seinen Eltern stieß Willi Graf auf wenig Verständnis. "So etwas macht man nicht", hieß es nach der Festnahme. Verwandte meinten: "Wie kann der Junge seinen Eltern das antun?" Nach der Verhaftung kam die Familie Graf in Sippenhaft. "Bis dahin war das Gefängnis für mich ein Ort vom Hörensagen", erläuterte Anneliese Graf.

Sie kam in dasselbe Gefängnis wie Sophie Scholl und wurde von demselben SS-Mann vernommen. Sie schilderte die Angst, die sie erlebte und die auch nach der Haft ständig präsent war. Bei jedem Klingeln an der Haustür sei ihr der Schreck in die Knochen gefahren.

Den Tod des Bruders betrachtet Anneliese Knoop-Graf als Vermächtnis, als Auftrag "weiterzutragen, was wir begonnen haben". Die "Weiße Rose" könne nicht zu den Akten gelegt werden, vielmehr repräsentiere sie einen Grundwert der politischen Kultur. Ihr Bruder habe Zivilcourage gezeigt, die auch heute gefragt sei. Anneliese Knoop-Graf, selbst Pädagogin und ehemals Leiterin einer Privatschule, kennt die GSS seit vielen Jahren. Hocherfreut war sie darüber, dass die Schule ihrem Bruder einen Platz gewidmet hat. Ein Schild mit der Aufschrift
"Willi-Graf-Straße" nahm sie dankend entgegen. moni

Bergsträßer Anzeiger
23. Februar 2009


Geschwister-Scholl-Schule

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