Gemeinsame Presseinformation von Prisma HLS und TKK
   
Chat-Faltblattinfos for Kids
Chat-Faltblattinfos für Erwachsene
Flyer Ambulanz für Spielsucht
Bei Computerspielen sollten Eltern sehr genau hinschauen / Gut besuchter Infoabend
Bensheim. "Mein Sohn ist im Schützenverein. Er spielt Ballerspiele und
ist sehr ruhig und brav. Muss ich mir Sorgen machen?", wendet sich eine
Mutter an Andreas Gohlke von der Jugend- und Drogenberatung Prisma. Ein
Vater will wissen, wie groß die Gefahr ist, dass sich die Jugendlichen
mit den virtuellen Killern auf dem Computer identifizieren.
Keine Frage: Der Amoklauf von Winnenden macht die Menschen ratlos und
wirkt nach. Viele Eltern haben Angst, etwas falsch zu machen, zu
übersehen, oder zu versäumen. "Ab wann ist jemand internetsüchtig?",
fragt ein anderer Zuhörer den Suchtberater. Immerhin belegen Studien,
dass zwischen drei und zwölf Prozent der Internetbesucher als süchtig
eingestuft werden.
Richtige Balance finden
Wie sehr die teils exzessive Computer- und Internetnutzung von
Jugendlichen - und die möglichen Folgen - die Erziehungsberechtigten
beschäftigt und verunsichert, zeigte sich an der außerordentlich gut
besuchten Informationsveranstaltung über Neue Medien in der
Geschwister-Scholl-Schule.
Elternbeiratsvorsitzende Ingrid Fahner und Gabriele Seeger von der
Schulsozialarbeit hatten als kompetente Gesprächspartner Andreas Gohlke
von der Jugend- und Drogenberatung der Arbeiterwohlfahrt in Bensheim
und Dirk Schäfer vom BiS-Projekt (Beratung in Schulen) eingeladen.
Schulleiter Dieter Zangmeister begrüßte die Eltern. "Schauen Sie genau
hin, mit welchen Spielen sich ihre Kinder am Computer beschäftigen.
Zeigen Sie Interesse, lassen Sie sich ruhig das eine oder andere
erklären und stellen Sie Zwischenfragen", riet Gohlke den Müttern und
Vätern, die richtige Balance zu finden und "am Ball zu bleiben".
Wichtig sei es, Eltern für das Thema Computer und Internet zu
sensibilisieren und nicht die Augen davor zu verschließen, was sich im
Kinderzimmer abspielt.
Gleichzeitig warnte er vor Verteufelung und Überreaktionen: "Nicht
jeder der spielt, wird süchtig." Schließlich machten Computerspiele
auch Spaß und gehörten zum Alltag vieler Kinder und Jugendlicher.
Bedenklich werde es dann, wenn erste Sucht-Anzeichen auftreten. Wenn -
meistens - Jungen nächtelang vor dem Bildschirm hocken und am nächsten
Morgen die Schule verschlafen. Oder wenn die Steuerungsfähigkeit leide,
soziale Kontakte vernachlässigt werden, Nervosität, Gereiztheit,
Aggressivität und sogar Entzugserscheinungen auftreten.
"Computersucht ist eine Verhaltensstörung, die behandelt werden muss",
machte Gohlke deutlich. Introvertierte Jugendliche mit wenig
Erfolgserlebnissen und wenig Selbstwertgefühl seien dabei besonders
gefährdet. Denn: Computerspiele geben den Benutzern das, was ihnen im
wirklichen Leben und ihrem sozialen Umfeld oftmals fehle: Gute Gefühle,
Erfolg und eine Belohnung für die Psyche: "Da bin ich wer".
Auch Ballerspiele wollte der Suchtexperte nicht pauschal über einen
Kamm scheren und verteufeln. Gefährlich werde es dann, wenn es im
Handlungsablauf um Machtausübung und Metzelei aus dem Hinterhalt gehe
und wenn das rücksichtslose Verhalten auf den Alltag der Kinder und
Jugendlichen abfärbt. "Dann ist Gefahr im Verzug."
Die Informationsveranstaltung "Internet - ein Netz mit Web-Fehlern?",
die in der Geschwister-Scholl-Schule auf großes Interesse stieß, ist
ein Baustein des landesweiten Projekts, das die Hessische Landesstelle
für Suchtfragen (HLS) mit der Techniker-Krankenkasse ins Leben gerufen
hat. Die Jugend- und Drogenberatungsstelle Prisma ist
Kooperationspartner und steht dafür ein, Unsicherheiten und
Berührungsängste, die Erwachsene gegenüber den Neuen Medien haben,
abzubauen.
Medienkompetenz erwerben
Zusammen mit der HLS will Prisma Seminare zum Erwerb von
Medienkompetenz für Eltern, Lehrer und Jugendliche anbieten.
Dirk Schäfer von BiS sprach im Verlauf des Elternabends ein weiteres
Schwerpunktthema an: Mobbing in der Schule. Schäfer ist einer von drei
Beratern, die an drei Vormittagen in der Woche, als Berater für
Schüler, Lehrer und Eltern an der Scholl-Schule zur Verfügung stehen.
Die AWO-Beratung Prisma ist zu erreichen unter
www.drogenberatung-prisma.de und der Rufnummer 06251/64565.
gs
Bergsträßer Anzeiger
28. März 2009
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