Mittlere Reife an der Scholl-Schule: Etappenziel erreicht |
90 Realschüler feierlich verabschiedetDie 90 Realschüler der Geschwister-Scholl-Schule, denen auf einer Feier in der Mensa der Schule ihre Zeugnisse der Mittleren Reife ausgehändigt wurden, haben eine lange Wegstrecke zurückgelegt. Daran wurden die Schüler von ihren Klassenlehrerinnen Schmand-Rickes, Wagener, Grüneklee und Barnewold erinnert. Vor sechs oder auch vor sieben Jahren hätten sich die Realschüler „auf den Weg gemacht, nicht wissend, wo es lang geht“. Schwieriger sei es mit dem 8. Schuljahr geworden, als mehr Tempo gefordert wurde. „Und dann kam das 9. Schuljahr, und das Ziel wurde immer klarer: Abschluss-Prüfungen. Gebetsmühlenartig predigten wir, was zu tun sei. Ihr solltet zielgerichtet und selbstbestimmt Vorbereitungen treffen. Leider waren einige eher ziellos, und so blieben viele auf der Strecke.“ Der Wandel kam dann in der 10. Klasse: „Vielen von euch wurde plötzlich bewusst, dass ihr Verantwortung für euer Tun übernehmen müsst. Ihr wurdet zuverlässig, und die Arbeit mit euch machte Spaß. Es war eine Freude zu sehen, wie ihr mit euren Aufgaben wuchset, was ihr aus euch herausholen konntet. Die Ergebnisse der Prüfungen spiegeln dies wider.“ In der Tat bestanden alle 90 angetretenen Schüler die Abschlussprüfung. Doch was kann man heute mit der Mittleren Reife anfangen? Martina Barnewold, die Leiterin des Realschulzweiges, erinnerte sich: „Früher hatte ein Realschul-Absolvent eine Lehrstelle so gut wie sicher. Heute ist das nicht mehr so einfach. Jetzt wird oft das Abitur verlangt, wo früher der Realschulabschluss reichte: bei Bank- oder Versicherungskaufleuten oder für Arzthelferinnen. In traditionellen Hauptschul-Ausbildungsgängen dagegen wird heute immer öfter der Realschulabschluss gefordert. So gesehen, steht ihr Realschüler in der Mitte, in Konkurrenz zu den Absolventen anderer Schulformen.“ Gerade „in Zeiten einer weltweiten Wirtschaftskrise fordert die Gesellschaft Dinge wie Flexibilität und lebenslanges Lernen.“ Dass die Realschul-Absolventen jetzt eine wichtige Etappe beendet haben, aber nun auf ihrem Weg weitergehen müssen, darauf wies auch Ingrid Fahrner hin, die Vorsitzende der Elternvertretung. „Lasst euch von der Krise nicht entmutigen, geht euren Weg mit erhobenem Kopf“, forderte sie die Realschüler auf. Gut gerüstet für die weiteren Etappen sind sicherlich die Klassenbesten, die mit Buchgutscheinen ausgezeichnet wurden: Annika Hillenbrand, Lisa Kraemer, Micha Turinski, Claudio Ferlito und Tom Klug. Dazu passte es gut, wie Karlheinz Nichell, der stellvertretende Schulleiter, die Abkürzung „GSS“ (für Geschwister-Scholl-Schule) umdeutete: „GSS“ könne natürlich auch stehen für „ganz schön schlau“ oder für „gute Schüler stärken“, aber auch für „gerne Schwache schützen“. Treffend – so der stellvertretende Direktor – sei auch „Gerechtigkeit statt Schleimerei“ oder „Gegen Ströme schwimmen“. Den größten Lacherfolg seitens der Schüler und viel zustimmendes Kopfnicken von den Eltern erntete jedoch die Erklärung, „GSS“ bedeute: „Geht schnell schaffen!“ Diesem Aufruf mag aber nur eine Minderheit der ehemaligen Realschüler folgen. Viele wollen das Gymnasium oder eine Berufsfachschule besuchen. Und nicht jedes Ziel – meint so mancher Realschüler - muss man ja direkt ansteuern. Der eine oder andere Umweg oder eine ruhigere Gangart ist schließlich auch ganz verlockend. Die Arbeitswelt kann ruhig noch ein bisschen warten. R. Poggenhans
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