Bensheimer Schülerinnen
und Schüler präsentierten in Heppenheim ihr Projekt gegen
Intoleranz und Rechtsextremismus
"Es ist wichtig die Augen aufzumachen, um wahrzunehmen was alltäglich
im Umfeld passiert, um daraus Rückschlüsse für das eigene
Handeln zu ziehen. Nicht das man eines Tages in den Spiegel blickt
und vermag nur noch eine leere, braune Gestalt, mehr Hülle als
Person, zu sehen", resümierte Margarete Bauer, Sprecherin
der Initiative gegen Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit im
Kreis Bergstraße und zog damit einstimmiges Fazit unter eine
gut besuchte Informations- und Reflektionsveranstaltung in den Räumen
der Heppenheimer Stadtbücherei.
Das Projekt "Kein Bock auf Braun" wurde in vierwöchiger
Kleinarbeit von der katholischen Religionsgruppe der Klasse 10 G der
Geschwister-Scholl-Schule unter der Leitung von Manfred Forell in Bensheim
organisiert, um sich mit einer Textvorlage mit den zentralen Themen
Entindividualisierung, Intoleranz und Zivilcourage intellektuell wie
differenziert auseinander zu setzen.
Eingeleitet von einer in düsteren Farben gezeichneten cineastischen
Adaptation von Franck Pavloffs "Brauner Morgen" trugen die
Schüler und Schülerinnen die Parabel des in Frankreich lebenden
Autors vor. Die zentralen Passagen des Textes wurden in verschiedenen
Sprachen, begonnen beim Portugiesischen über Italienisch und Französisch
bis hin zu Polnisch, gesprochen.
In einer fiktiven Gesellschaft - so das Szenario - sieht sich ein
namenloser Erzähler staatlicher Reglementierung desinteressiert
und gleichgültig ausgesetzt. Ab sofort sind nur noch braune Katzen
erlaubt. Alle andersfarbigen Tiere müssen getötet werden.
Doch die Entwicklung macht an dieser Stelle keineswegs Halt. Als nächstes
sind die Hunde an der Reihe - bis letztlich auch die Pressefreiheit
aufgehoben wird. Es existieren nur noch die braunen Nachrichten und
wenige ausgewählte Bücher. Die Protagonisten indes fügen
sich. Fadenscheinige wissenschaftliche Erklärungen und die Untätigkeit
der Allgemeinheit dienen der Beruhigung.
Was bleibt ist ein Zweifel, ein ungutes Gefühl - bis Charlie,
eine der beiden Hauptpersonen, verhaftet wird, weil er "vorher" einen
schwarzen Hund besessen hat. Mit der Angst kommt die Einsicht und das
Bewusstsein sich zur Wehr gesetzt und Widerstand geleistet haben zu
sollen. Doch es ist zu spät. Draußen ist alles braun, und
es klopft an der Tür . . .
In einer anschließenden Diskussionsrunde wurde viel und produktiv
debattiert. Kritische Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen
und politischen Entwicklungen seien ebenso notwendig wie ein Mindestmaß an
Selbstreflexion. Es gelte auch, Intoleranz und den autoritären
Zwang zur vorgefertigten Meinungsbildung nicht zu tolerieren und sich
an der richtigen Stelle zur Wehr zu setzen, betonte eine Anwesende.
Letztlich könne die eigene Individualität nur in einer toleranten
und vielfältigen Gesellschaft zur Entfaltung kommen, erklärte
ein Anderer.
Peinlich gestört wurde die Veranstaltung von undifferenzierten
Kommentaren eines sich bekennenden rechtsextremen NPD-Mitglieds, das
offenkundig versuchte, die Gäste zum Publikum parteipolitischer
Werbung zu machen. Eine Situation, die Religionslehrer und Integrationsbeauftragter
der Stadt Bensheim, Manfred Forell, leider zur Genüge kennt: "Nahezu
jede Veranstaltung zum Thema Fremdenhass und Rechtsradikalismus sind
von solchen Besuchen geprägt." Man lasse sich jedoch keineswegs
aus dem Konzept bringen.
Und souverän wurde im Programm auch fortgefahren, nicht zuletzt
dank der professionellen Moderation des Schülers Fabian Riedmüller.
Musikalische Intermezzi sowie künstlerische Interpretationen des
Pavloffschen Inhalts rundeten eine gelungene Veranstaltung ab, die
mit dem Applaus der durchweg zufriedenen Gäste honoriert wurden.
Zufrieden zeigten sich auch die verantwortlichen Schüler. "Wir
vollen Vielfalt gegenüber Einfalt und brauner Soße",
machte Margarete Bauer von der Initiative deutlich. Eine einmalige
Sache soll die Veranstaltung nicht bleiben. Manfred Forell blickt in
die Zukunft: "Wir haben für die kommende Zeit weitere Veranstaltung
dieser Art geplant. Sie sollen Anstoß geben zu einer differenzierten
Auseinandersetzung mit den Themen Fremdenhass und Rechtsextremismus."
maz
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