„Diese Gastfreundschaft muss man erlebt haben“

Deutsche und ungarische Schüler schreiben neue Versionen der Nibelungen-Sage

Auf den ersten Blick wirkt die Verbindung zwischen der Park-Schule im ungarischen Mohács und der Geschwister-Scholl-Schule wie eine ganz normale Partnerschaft zwischen zwei Schulen. Doch wer mit Bensheimer Schülern oder Lehrern spricht, die schon einmal an diesem Schüleraustausch beteiligt waren, merkt schnell, wie außergewöhnlich diese Beziehung ist.
Das liegt nicht nur daran, dass die deutschen Schüler, die sich sonst vornehmlich für England, die USA oder Spanien interessieren, plötzlich erkennen, dass auch unsere östlichen Nachbarn viel zu bieten haben. Noch viel mehr liegt es an der überwältigenden ungarischen Gastfreundschaft, mit der die Bergsträßer Partnerschüler jedes Jahr empfangen und verwöhnt werden. „Fast die ganze Schule steht Kopf, wenn unsere Schüler in Mohács zu Besuch sind. Das ist unglaublich, das muss man erlebt haben“, so schwärmen unisono die betreuenden Lehrer der Scholl-Schule. Von allen Seiten gibt es sehr herzlich gemeinte Einladungen zu Festen, Besichtigungen, Ausflügen, und ein deftiges Essen und reichlich Getränke gehören immer dazu.
Genießen kann man in Mohács das Ungarn, wie es im Bilderbuch steht: Puzta, Paprika, Pferde, die Donau und eine große freundschaftliche Verbundenheit gegenüber den Deutschen. Nur wenige Kilometer von Mohács entfernt liegt die Stadt Pécs, das auf Deutsch „Fünfkirchen“ heißt, die Hauptstadt der deutsch-stämmigen Donauschwaben. Pécs ist Universitäts- und Bischofsstadt, und sie wird im Jahre 2010 Kulturhauptstadt Europas sein. Natürlich steht Pécs regelmäßig auf dem Besuchsprogramm der Scholl-Schüler.
Da ist es Ehrensache, dass sich an der Scholl-Schule ein großer Kreis von engagierten Lehrern in den 17 Jahren, in denen die Partnerschaft besteht, immer wieder mächtig ins Zeug legte, um auch den ungarischen Partnern ein attraktives kulturelles Programm in unserer Region zu bieten.

Auch in diesem Jahr haben die 27 ungarischen Austauschschüler der Parkschule und die Klasse 8Ga der Scholl-Schule mit ihrer Klassenlehrerin Gabriele Seeger etwas Besonderes vor. Sie haben jeweils in ihrem Unterricht die Nibelungensage gelesen und besprochen und werden jetzt gemeinsam in Lorsch und Worms auf den Spuren der Nibelungen wandeln. Daneben sollen die deutschen und ungarischen Schüler unter Leitung des Gymnasialzweigleiters Jörn Borges in einer kreativen Schreibwerkstatt eigene Nibelungen-Szenen verfassen. Auch ein Besuch in Darmstadt ist geplant. In Bensheim wurden die Gäste aus der südungarischen Partnerstadt bereits im Rathaus empfangen.
Im Mai findet der Gegenbesuch statt, dem schon jetzt alle entgegenfiebern. Bis dahin soll im Geschichtsunterricht die ungarische Geschichte besprochen werden. Seit kurzem bietet zudem Gabriella Magyar, gebürtige Ungarin und Lehrerin an der Scholl-Schule, in einer Nachmittags-AG Unterricht in der ungarischen Sprache an. Dort wollen nun auch einige Schüler und Schülerinnen aus der 8 Ga mitmachen. Offenbar sind einige Scholl-Schüler dabei, unseren nahen Osten zu entdecken.

R. Poggenhans

Geschwister-Scholl-Schule

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Bensheim