Erlesene Rosinen aus der spannenden Welt der Ehe

LESUNG: Rafik Schami und Root Leeb präsentierten im GSS-Forum auf unterhaltsame Weise ihr "weltliterarisches Treuebuch"

Wer am Donnerstagabend dem beliebten Autor, Geschichtensammler und Herausgeber Rafik Schami und seiner Ehefrau Root Leeb im Forum der Geschwister-Scholl-Schule zuhörte, der hatte nicht nur eine ganze Menge Spaß. Nein, der war im Nachhinein auch um einiges schlauer: Beispielsweise was es mit den manchmal poetischen, manchmal auch sehr gewöhnungsbedürftigen Namen von Hochzeitstagen auf sich hat.
Wer ahnte schon, dass es baumwollene, lederne und hölzerne Jubiläen gibt - alle unter zehn Jahre - oder Zinn-, Kupfer-, Rosen- und Porzellanfestivitäten. Den Vogel aber schießt die Knoblauchhochzeit nach 33 Jahren und vier Monaten ab. Und es soll tatsächlich Paare geben, die die Kronjuwelenhochzeit nach 75 Ehejahren noch toppen.
Ingeborg Deichmann, die das Autorenpaar zum 30-jährigen Bestehen der Bensheimer Bücherstube nach Bensheim geholt hatte, war sich bei ihrer Begrüßung sicher: Es wird ein vergnüglicher Abend. Sie sollte Recht behalten - und dies, obwohl Rafik Schami das Publikum gleich zu Beginn "warnte": "Warten Sie nicht, bis ich ein Buch in die Hand nehme." Vorlesen ist seine Sache nämlich nicht. Stattdessen ist er ein wunderbarer Erzähler und freier Fabulierer.

Vorlesen ist eine Kunst
Aber, "weil Vorlesen eine Kunst ist", und seine Ehefrau, die Autorin und Zeichnerin Root Leeb "so wunderschön liest", übernahm sie diesen Part. Mitgebracht hatte das Paar sein gemeinsames Buch "Lob der Ehe; Ein weltliterarisches Treuebuch", das erst nach einer langwierigen Schatzsuche in der Welt der Literatur entstanden ist und wohl einzigartig sein dürfte. Es enthält eine Sammlung von Geschichten und "ausgewählte Rosinen" aus allen Kontinenten und vielen Jahrhunderten, mit einem einzigen Thema: Die Ehe.
Root Leeb hat die Illustrationen dazu gemacht. Wie formulierte es Schami treffend: Publikationen über verbotene und unterfüllte Lieben, über die ersten Schmetterlinge im Bauch und über Ehebruch füllen ganze Hallen. Eine funktionierende Ehe hingegen scheint Literaten nicht zu interessieren: "Dafür reicht ein Regälchen weltweit".
Weil die Geschichten, Anekdoten und Kuriositäten aus aller Welt ganze 500 Seiten im Buch füllen und das Vorlesen "elf Stunden und 48 Minuten dauert", beschränkte sich Leeb auf einige der schönsten, humorvollsten und unterhaltsamsten Texte und ungewöhnlichen Liebeserklärungen. Einige hat sie aus Zeitgründen für die Zuhörer gekürzt. Viel war die Rede von der Kunst der dauerhaften Liebe, von der List der Frauen und manches Mal von der Dummheit der Männer.

Manche Passagen und kleine Seitenhiebe quittierten die Vorleserin und ihr Publikum mit einem nachsichtigen und wissenden Lächeln. Die Seufzer von Eva in dem Buch von Lena Bach, "Ich hätte ihn nicht heiraten sollen" und "Allein ist das Leben schon schwer genug", waren letztendlich nicht mehr und nicht weniger als verschämte Komplimente an den Gatten Adam.

Warum liebt Eva Adam?
Leeb skizzierte mit feiner Betonung den nicht immer reibungslosen Ehealltag junger und alter Paare. Berühmte und weniger bekannte Schriftsteller kamen zu Wort, beispielsweise Mark Twains "Nach dem Sündenfall", eine japanische Hofdame aus dem 10. Jahrhundert, ein orientalischer Till Eulenspiegel, Guy de Maupassant und schließlich Rafik Schami selbst.
Warum Eva Adam liebte? "Weil er ein Mann ist. Liebe ist eine Frage des Geschlechts." Zu den Rosinen, die das Ehepaar Schami und Leeb für ihr Buch über das "Lob der Ehe" herausgepickt hatte, gehörten auch einige, mehr oder weniger gelungene, Ansprachen von Standesbeamten von Passau, über Bangkok bis Honolulu.
Die Frischgetrauten mussten beim Start in ihr Eheleben einiges über sich ergehen lassen, was einer kalten Dusche ähnelte oder einer strengen Ermahnung gleich kam. Ein Beamter aus Madagaskar meinte es besonders gut: Er wünschte sieben Mädchen und sieben Jungen. gs

Bergsträßer Anzeiger
27. Oktober 2007


Geschwister-Scholl-Schule

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Bensheim 2007/08