Gedenken: Die Geschwister-Scholl-Schule ehrt ihre Namensgeber, die Mitglieder der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" / Motiviert durch Projekt der SV

Menschenkette zum 65. Todestag der Geschwister Scholl am 23.2.2008 um die Geschwister-Scholl-Schule in Bensheim /Jahrbuch 08
Bensheim. Zum 65. Todestag ihrer Namensgeber haben Schüler und Lehrer der Geschwister-Scholl-Schule gestern an die Widerstandskämpfer der "Weißen Rose" erinnert.
Die Menschenkette um den gesamten Schulkomplex war zirka 500 Meter lang - ein lückenloses Bekenntnis für geistige Freiheit und den Mut, sich als kleine Gruppe gegen ein verbrecherisches Regime zu stellen. Eine Demonstration für Zivilcourage im politischen wie alltäglichen Leben.
Am 22. Februar 1943 wurden Hans und Sophie Scholl zum Tode verurteilt und hingerichtet. Als Namensträger fühlt sich die GSS seit jeher dem geistigen und politischen Vermächtnis der "Weißen Rose" in besonderer Weise verpflichtet. Die Vermittlung der damaligen Ereignisse und der historische Hintergrund spielen im Schulprogramm eine prominente Rolle und wurden bislang in sehr unterschiedlichen Projekten und Veranstaltungen aufbereitet. Erst vor einem Jahr wirkten etwa 700 Schüler an einer Opernproduktion in Frankfurt mit, die sich intensiv mit den letzten Stunden der Geschwister Scholl auseinandergesetzt hat.
Die erstmals organisierte Menschenkette brachte das schulische Selbstverständnis leise, aber um so deutlicher zum Ausdruck. "Ich finde die Botschaft gut. So etwas sollte jedes Jahr stattfinden", sagte eine Oberstufenschülerin. Auch die jüngeren Jahrgänge nahmen an der Großaktion teil, die gestern das Interesse von etlichen Medienvertretern auf sich gezogen hatte. "Wir sind ja nicht die einzige Scholl-Schule in Deutschland. Aber bestimmt die einzige, die so spektakulär an die Geschwister Scholl erinnert", kommentierte ein Schüler der siebten Klasse. Mit getragen wurde die Idee von der GSS-Schülervertretung, die gestern auch logistisch eine wichtige Funktion begleitet hat, wie der stellvertretende Oberstufensprecher Mathias Weingärtner erklärte. Schließlich ging es darum, viele hundert Schüler so zu positionieren, dass am Ende tatsächlich eine geschlossene Menschenkette zustande kam. Motiviert wurde diese Art von Gedenkveranstaltung durch das von der SV unterstützte Projekt "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage", dem sich bislang über 75 Prozent der Scholl-Schüler angeschlossen haben.
Gegen Rassismus engagieren
Damit erklären die Jugendlichen, sich persönlich und im Schulterschluss mit der Schulgemeinschaft aktiv gegen allgemein diskriminierende und insbesondere rassistische Tendenzen zu engagieren. Erklärtes Ziel ist ein konkreter Beitrag zu einer gewaltfreien und demokratischen Gesellschaft. Voraussetzung für ein entsprechendes Zertifikat ist, dass die Schule selbst die Initiative ergreift und die Kooperationsbereitschaft von mindestens 70 Prozent der Schulfamilie vorweisen kann.
Im Forum der Geschwister-Scholl-Schule fanden gestern zwei Theatervorstellungen zum Thema statt. Die Schauspieler Walter Renneisen und Jochen Nix spielten das Stück "Empfänger unbekannt" von der Schriftstellerin Kressmann Taylor. In Form eines Brief-Dialogs zu Zeiten des Nationalsozialismus zeigt die Inszenierung, wie aus Freundschaft rassistisch motivierter Hass entstehen kann. tr
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