Schulzweigleiterin spricht rücksichtsloses Benehmen beim "Realschul-Sturm" an
Das Forum der Geschwister-Scholl-Schule war randvoll. 155 Schülerinnen und Schüler aus sechs Klassen sollten ihre Zeugnisse der mittleren Reife erhalten. Die Stimmung war festlich und fröhlich, es gab beschwingte Musik - da versetzte Martina Barnewold, die Leiterin des Realschulzweiges, mit den ersten Worten ihrer Rede der erwartungsvollen Atmosphäre einen empfindlichen Dämpfer. Sie sprach die Ereignisse an, die sich drei Tage zuvor beim "Realschul-Sturm" abgespielt hatten. Viele Realschüler hatten sich vor der Schule versammelt, um ihre just bestandene Prüfung zu feiern. Da habe es "Grenzüberschreitungen" gegeben, monierte Martina Barnewold.
Drei Schüler ausgeschlossen
Unter dem Einfluss von Alkohol seien jüngere Schüler und Lehrer erheblich belästigt, angegriffen und beleidigt worden. Die Scheibe einer Eingangstür ging zu Bruch. Und am Ende wurde ein wüster Müllplatz zurückgelassen, den unbeteiligte jüngere Schüler aufräumen mussten. Die meisten der "Vorkommnisse, die nicht vorkommen müssen", seien von einer kleinen Minderheit ausgegangen, doch viele andere hätten einfach zugeguckt, nichts dagegen getan und auch nicht aufgeräumt. Sie seien deshalb mitverantwortlich, hielt ihnen Martina Barnewold vor. Drei Schüler wurden von der Abschlussfeier ausgeschlossen.
Auf dieser Feier lieferten als Schülersprecher Jennifer Niedziella und Jennifer Fritz einen kleinen Erklärungsansatz für manche Dummheit von Heranwachsenden. "Gleich bekommen wir die Zeugnisse der mittleren Reife", sagten sie, "wir sind also nicht mehr ganz unreif, wir sind auch noch nicht richtig reif, wir sind mittelreif."
Verschmitzt gestanden sie, dass sie einiges gelernt hätten, aber nicht immer das, was sie hätten lernen sollen. Wie Arbeitsteilung funktioniere, wüssten sie inzwischen: Jeder macht diejenigen Hausaufgaben, die er bewältigen kann, der Rest wird abgeschrieben. Oder Arbeitsökonomie: Warum etwas lernen, wenn man es auch auf einen Spickzettel schreiben kann? Allerdings, so räumten sie ein, habe das Anfertigen von cleveren Spickzetteln oft mindestens genauso viel Zeit in Anspruch genommen, wie für das Lernen erforderlich gewesen wäre.
Mittlerweile, so erklärten die beiden Jennifers, hätten sie eingesehen, dass es doch nicht schlecht wäre, wenn sie beispielsweise ein bisschen mehr Englisch könnten. "Aber wir sind ja erst mittelreif, ab jetzt wollen wir lernen, lernen, lernen, damit wir vollreif werden." Das ordentliche Feiern klappte bereits auf der Abschlussfeier recht gut, denn im Verlauf des Abends besserte sich die Stimmung zusehends.
Vom guten Willen, mehr zu lernen, waren viele Realschul-Absolventen erfüllt. Barnewold schätzte, dass 60 Prozent von ihnen eine weiterführende Schule besuchen wollen, z.B. eine gymnasiale Oberstufe oder eine Fachoberschule. Die meisten haben sich auf der Scholl-Schule offenbar recht wohl gefühlt. Davon zeugten auch die vielen Präsente und Dankesworte an die Lehrerinnen und Lehrer. Besonders für die Klassenlehrer Bärbel Heimann, Inge Triebel, Viola Unger, Jörg Trautmann, Ernst Eckhardt und Markus Stephan gab es viele herzliche Nettigkeiten. Das rücksichtslose Benehmen während des alkoholgetränkten "Realschul-Sturms" war wohl eine eher untypische Entgleisung. Und schließlich, so sagte Herr Saemann als Sprecher der Eltern, hat die Jugend ja "auch noch genügend Zeit, ihre Fehler zu korrigieren".
Selbst die Klassenlehrer empfanden Wehmut angesichts der bevorstehenden Trennung. Bleibt zu hoffen, dass die Lehrer in den bevorstehenden Sommerferien die nötige Zeit finden werden, um ihren Trennungsschmerz zu überwinden.
pog
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