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Ein Pferd mit Strapsen für die Europameisterschaft |
Das drittschönste Pferd kommt aus Bensheim - Scholl-Schüler bemalten drei Pferde in Mannheim
Im August dieses Jahres findet nämlich in Mannheim die Europa-Meisterschaft der Springreiter statt, und um für dieses Ereignis medienwirksam zu werben, kamen die Organisatoren auf eine pfiffige Idee. Schüler und Design-Studenten aus der ganzen Region wurden aufgerufen, sich für eine große Malaktion in der Mannheimer Maimarkthalle bewerben: Hundert lebensgroße Pferde aus Fiberglas sollten dort bemalt werden, und den besten Pferde-Designern winkten attraktive Preise. 1006 Entwürfe von Jugendlichen jeden Alters wurden nach Mannheim geschickt, daraus wählte eine Jury hundert aus. Besonders fleißig und kreativ war die Klasse 9 Rd der Scholl-Schule, deren Schüler gleich zehn Entwürfe einsandten, von denen immerhin drei akzeptiert wurden. Ebenso wie die übrigen Jugendlichen sollten die drei Bergsträßer Gruppen ihre DIN-A4-Entwürfe zunächst auf riesigen Plakaten auf das Gardemaß für Springpferde (2,05m hoch und 2,40 m lang) vergrößern. Eine Menge Arbeit, bei der auch einige Eltern hilfreich zur Seite standen. Die drei ausgewählten Bensheimer Entwürfe zeigten höchst unterschiedliche Rösser: Die erste Gruppe (Kevin Kötting, Chris Gehron, Florian Moritz und Pascal Richter) dachte an die guten Dienste, die Pferde in der Nibelungen-Sage im Kampf gegen Drachen geleistet hatten, und entwarf ein gepanzertes Nibelungen-Pferd. Die zweite Gruppe (Samire Burniki, Lisa Wittmann, Jennifer Fritz und Gonca Göksu) wollte nicht mit einem regionalen, sondern mit einem nationalen Symbol für die Reiter-EM werben. Die Schüler malten ihrem edlen Ross das Brandenburger Tor auf den Leib. Die dritte Gruppe (Mona May, Jenny Niedziella, Eva Schreiner und Martin Knebel) hatte eine nicht ganz jugendfreie Idee: Die Jugendlichen entwarfen ein – so beschreibt es Lehrerin Triebel – „leicht frivoles Barbie-Pferd mit rosa Schleifchen und schwarzen Strapsen“. Dem Vernehmen nach soll letztere Gruppe besonders viel Spaß bei der Arbeit gehabt haben. Aber auch die anderen Scholl-Schüler waren mit Feuereifer an der Arbeit und fuhren voller Vorfreude mit ihren großformatigen Entwürfen nach Mannheim. In der ansonsten nüchternen Maimarkthalle bot sich bald ein ungewohntes Bild. An hundert weißen Fiberglas-Pferden machten sich hunderte von Jugendlichen emsig mit Acryl-Farben zu schaffen. Sie stapelten Paletten aufeinander, um die Mähne zu bemalen, betrachteten ihr Werk aus der Ferne, überpinselten einzelne Stellen und versuchten es aufs Neue. Lehrerin Triebel beobachtete feine Unterschiede: „Die Jungs wollten bloß schnell fertig werden, doch die Mädchen waren super gewissenhaft, ehrgeizig, fast perfektionistisch.“ Schließlich hatte die Konkurrenz nebenan auch keine schlechten Ideen. Besonders besessen arbeitete die Brandenburger-Tor-Gruppe, die zudem noch von einigen Jury-Mitgliedern angefeuert wurde. Die Sachverständigen begutachteten nämlich die Kunstpferde schon während ihrer Entstehung, und die Scholl-Schüler mit dem Brandenburger Pferd bekamen überschwängliches Lob, aber auch die Ermahnung zu hören: „Beeilt euch, damit ihr rechtzeitig fertig werdet!“ Einen Samstag und einen Sonntag, zweimal acht Stunden lang, malten die Jugendlichen an ihren Pferden. Sie wurden alle fertig, auch das Brandenburger-Tor-Pferd erhielt noch den letzten Tupfer. Einige Tage später war auch das Urteil der Jury fertig, ein Scholl-Schüler entdeckte es bald im Internet: In der Wettkampfgruppe der 8. bis 10. Klassen wurde das Brandenburger Tor mit einem 3. Preis, verbunden mit einem Preisgeld von 400 Euro, ausgezeichnet. Für das sinnenfrohe Pferdchen mit den Schleifen und Strapsen gab es einen Anerkennungspreis, dotiert mit 300 Euro. Das Brandenburger-Tor-Pferd hat mittlerweile weitere Bewunderer gefunden. Im Internet wurden alle einhundert Mannheimer Pferde den Firmen und Institutionen der Region in einer Auktion angeboten. Das Mindestgebot lag bei 2000 Euro, und wenig später schon war das Brandenburger Pferd ersteigert worden. Den genauen Kaufpreis kennen auch seine jungen Designer nicht, sie bekommen auch kein Geld aus der Versteigerung, denn alle Jugendlichen mussten ihre Rechte an ihrem Pferd abtreten. Immerhin kommt der Erlös aus der Auktion einem wohltätigen Zweck zugute. Das neckische Pferd mit den Strapsen ist übrigens noch zu haben. Vielleicht ist es doch etwas zu gewagt für manche Firma, die um ihr Image besorgt ist. Von dem großen Erfolg der Aktion profitierten auch die Scholl-Schüler – nicht nur wegen des Preisgelds. Die ausgezeichneten Schüler haben sich auch im schulischen Alltag positiv entwickelt, berichtet Lehrerin Triebel, die auch Deutsch und Biologie in der Klasse unterrichtet. „Sie sind deutlich selbstbewusster, beteiligen sich besser im Unterricht, die Schule macht ihnen wieder mehr Spaß.“ Nur einen Wermutstropfen gibt es: Die Schüler hätten gern ihre schönen Pferde zurück. So viele Ideen, so viel Arbeit stecken in jedem Pferd, so dass es nun fast ein Stück von ihnen geworden ist. Und so ein schönes Pferd würde sich sicher prima in der Schule oder in ihrem Zuhause machen. Aber leider sind die hübschen Hottemaxe nicht abkömmlich: Sie müssen im ganzen Land Werbung für die Europa-Meisterschaft machen. R. Poggenhans
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