| Udo Zimmermann: Weiße Rose |
Ein übergreifendes Projekt für den Geschichts-, Religions-, Ethik-, Kunst-, Deutsch- und Musikunterricht aller Schulzweige Im Februar 2007 wird an der Frankfurter Oper erstmals Udo Zimmermanns „Weiße Rose“ produziert. Die Aufführungen dieser „Szenen für zwei Sänger und 15 Instrumentalisten“ finden in der Zeit vom 1. bis 18. März 2007 im Bockenheimer Depot der Frankfurter Oper statt. Die Komposition entstand in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts und geht thematisch auf eine Jugendoper Zimmermanns aus dem Jahre 1967 nach Texten von Inge Aicher-Scholl zurück. Das Libretto des Dramaturgen Wolfgang Willaschek ist eine Montage sowohl aus Brief- und Tagebuchaufzeichnungen der Geschwister Scholl als auch aus Prosa und Lyrik von Dietrich Bonhoeffer, Franz Fühmann, Reinhold Schneider und Tadeusz Różewicz sowie aus Psalmen des Alten Testaments. Die Handlung gibt die Stunde im Gefängnis München Stadelheim unmittelbar vor der Hinrichtung – am 22. Februar 1943 – in Realzeit wieder (Die Aufführung dauert etwa eine Stunde). „Weiße Rose“ ist keine Oper im herkömmlichen Sinn. In 16 Szenen, die assoziativ auseinander hervorgehen, werden sich Hans und Sophie in der Stunde vor ihrer Hinrichtung inne, dass sie sterben müssen. Visionäre Bilder, Selbstgespräche und betrachtende Monologe verarbeiten Erinnerungen an Fronterlebnisse, Ängste beim Abtransport von Kindern, die letzte Begegnung mit den Eltern. Der Todesangst wird mit Zweifeln und Hoffnungen begegnet, bis beide das Urteil und den Tod akzeptieren. Das Stück ist eine Parabel über den inneren Widerstand gegen Machtmissbrauch und Gewalt. Zimmermann versteht es als „ein Stück gegen die Gleichgültigkeit“. Die Geschwister dienen als Identifikationsfiguren, die auch in der Grenzsituation existentieller Not menschlich bleiben und durch ihren Lebensmut Hoffnungen und Warnungen weitertragen sollen. Zimmermann will keine Märtyrergestalten zeigen, sondern Menschen mit Ängsten, Zweifeln und Sehnsüchten. Ihm geht es dabei mehr um eine „innere Dramaturgie“ als um eine Dokumentation der Abläufe des 22. Februar 1943. Geschichte wird abstrahiert und in zwei privaten Schicksalen verdichtet. Die Geschwister sprechen kaum miteinander. Während die eher emotional reagierende Sophie sich mit lyrischen Passagen in Naturbetrachtungen ergeht, nimmt ihr Bruder Hans eine eher nüchtern-kommentierende Haltung ein. Das Instrumentalensemble übernimmt dabei die Rolle der Umwelt: Das Terrorregime wird durch martialische Secco-Akkordschläge verkörpert, denen sich die lyrisch-melismatischen Vokalstimmen von Hans und Sophie entgegenstellen. Daneben schildert die Musik in filigranen Nuancen Ängste, Halluzinationen und Visionen vom Ende. Motivische Bezüge zu Heinrich Schütz, Johann Sebastian Bach und Robert Schumann begleiten den Appell an das „deutsche Kulturvolk“, sich gegen das geistige Gefängnis, die atheistische Kriegsmaschinerie und die Hybris der Übermenschen zu wehren. Am Schluss zitiert eine Stretta motivisches Material aus dem nationalsozialistischen Kampflied „Wenn wir marschieren, zieh’n wir zum deutschen Tor hinaus“; dazu sind immer lauter lärmende Sprechchöre als Sprachgewirr einer fanatisierten Menschenmenge zu hören: Die Außenwelt bricht als tödliche Realität herein. Christoph Quest, der Regisseur der Frankfurter Inszenierung, fügt – als dritte handelnde Person – Christoph Probst hinzu. Auch Christoph Probst stirbt – zusammen mit Hans und Sophie Scholl – am 22. Februar 1943 unter dem Fallbeil. Den zentralen Gedanken in Quests Inszenierung formuliert Christoph Probst im Abschiedsbrief an seine Mutter: „Wenn ich es recht bedenke, war alles ein einziger Weg zu Gott.“ Die Zuschauertribüne soll in Quests Inszenierung wie eine Barke erscheinen, die an die Ewigkeit angedockt ist. Die Bühne wird durch einen Kubus markiert, der für Quest ebenso für den Augenblick wie auch für die Ewigkeit steht.
Christoph Quest möchte das Eingangstor und
den Bühnenraum Voraussetzung wäre, dass sich die Schülerinnen und Schüler mit diesen Texten auseinandersetzen. Jeder Schüler und jede Schülerin sollte dann ein Textzitat auswählen, das ihn persönlich ganz besonders anspricht, und mit diesem Zitat ein DIN-A4-Flugblatt gestalten (das ist das Format, das auch von den Geschwistern Scholl verwendet wurde). Dazu werden den Lehrern und Schülern die vollständigen Texte der Flugblätter zur Verfügung gestellt. Die Gestaltung dieser „Flugblätter“ wäre eine Aufgabe für den Kunstunterricht. Christoph Quest legt großen Wert darauf, dass die Auseinandersetzung mit den Flugblättern von den Schülerinnen und Schülern aller Schulzweige – also auch und gerade von Haupt- und Realschülern (etwa ab der Jahrgangsstufe 8) – vollzogen wird. Dazu würde er gerne selbst in die GSS kommen, um mit den Schülern sein Regiekonzept zu diskutieren (Januar/Februar). Am 22. Februar 2007 (einem Donnerstag) können und sollen alle Schülerinnen und Schüler, die an dem Weiße-Rose-Projekt teilnehmen (also hoffentlich alle ab etwa der Jahrgangsstufe 8) nach Frankfurt kommen, um an diesem Tag an einer Probe zu „Weiße Rose“ teilzunehmen und anschließend mit den Sängern und Musikern, aber auch mit einem Dramaturgen und mit dem Regisseur über ihre Eindrücke von der Inszenierung im Rahmen eines Podiumsgespräches zu diskutieren: Fragen zu stellen, Eindrücke wieder-zugeben, etc.. Die Probe beginnt um 10 Uhr und dauert etwa 1 – 1 ½ Stunden. Anschließend findet die Podiumsdiskussion statt, sodass wir zwischen 13 und 14 Uhr wieder in Bensheim wären. Dies wäre dann sozusagen „unsere“ alljährliche Gedenkveranstaltung. Inzwischen hatte ich ein ausführliches Gespräch sowohl mit Herrn Schäfer als auch mit Dieter Zangmeister. Beide stehen dem Weiße-Rose-Projekt sehr positiv gegenüber. Es gilt nun, das Projekt in der GSS auf eine möglichst breite Basis zu stellen, will sagen: alle betroffenen Kolleginnen und Kollegen zur Mitarbeit zu gewinnen. Dazu werde ich das Weiße-Rose-Projekt auf der nächsten Geko, am 15. November 2006, vorstellen. Ich selbst bin bereit, in diesem großen Projekt – möglicherweise dem größten, das Schüler und Lehrer der GSS je gemeinsam durchgeführt haben – den musikalischen und den organisatorischen Part zu übernehmen: Ich werde
Ich freue mich schon jetzt darauf, mit Euch dieses große und großartige Projekt durchführen zu können. Bensheim, im Oktober 2006 Euer Rolf Bladt |
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GSS Bensheim |