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"Die Widerstandskämpfer öffneten den anderen die Augen"
Schüler der Bensheimer Geschwister-Scholl-Schule sprechen über die Geschichte / 2000 Flugblätter zur Oper im Bockenheimer Depot
Am nächsten Freitag wird im Bockenheimer Depot das Schicksal von Hans und Sophie Scholl auf die Bühne gebracht - als Oper "Weiße Rose". Seit gestern hängen Schüler der Bensheimer Geschwister-Scholl-Schule 2000 Flugblätter im Theaterfoyer auf - als Zeichen, dass Geschichte nicht egal ist.

Flugblattaktion
Frankfurt - Sie liegen auf dem Boden, einzeln und im Stapel, verdeckt oder offen. "Die Wirklichkeit bietet uns ein völlig anderes Bild" - einer der Sprüche, die über 700 Schüler der Bensheimer Gesamtschule Geschwister-Scholl auf 2000 Flugblätter gebracht haben. Nun werden sie aufgefädelt, an langen, schwarzen Seilen im Foyer des Bockenheimer Depots. Simon Mäurer, Simon Hensel, Julia Hanschke und Kristina Roth sind die vier Freiwilligen aus Bensheim, die nun knoten, fädeln und alles zu einer für eintretende Besucher beeindruckenden Papierfront zusammenfügen. Flugblätter warfen die Scholls einst in die Münchner Uni.

Am Freitagabend wird der Vorhang aufgehen für die Schicksalsgeschichte, die Udo Zimmermann 1986 als Oper in Hamburg uraufgeführt hat, die Christoph Quest nun in Frankfurt in Szene setzt und die auch Schüler wie Simon, Simon, Julia und Kristina zum Nachdenken über Geschichte anregt. Die Oper, mit zwei Sängern und 15 Instrumentalisten, erhielt ihren Text von Wolfgang Willaschek, der ihn vor über 20 Jahren aus Tagebuchzitaten der Geschwister Scholl und aus Texten des Pfarrers Dietrich Bonhoeffer zusammengeschrieben hat.

Erzählt wird nun in Frankfurt die letzte Stunde vor der Hinrichtung von Sophie und Hans Scholl und ihrem Kompagnon Christoph Probst in München-Stadelheim.

"Sophie war Widerstandskämpferin, sie wurde am 9. Mai 1921 geboren und starb am 22. Mai 1943", sagt Simon Mäurer. Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen. Ganz klar, der Name sei immer Thema an seiner Schule mit dem Namen der enthaupteten "Weiße-Rose-Jugendlichen". "Ich liebe das Thema Nationalsozialismus", meint der 16-jährige Mäurer. Seine Worte klingen grundehrlich. "Widerstandkämpfer waren Menschen, die anderen die Augen geöffnet haben - für die Dinge, die um sie herum passierten!" Den Schüler hatte irgendwann die Lebensgeschichte der Sophie Scholl so sehr in den Bann gerissen, dass er selbst einen fiktiven Briefwechsel zwischen der Münchnerin und ihrer Schwester schrieb - in Schnörkelschrift und auf Originalbriefpapier.

"Jedes Wort, das aus Hitlers Munde kommt ist Lüge: Wenn er Frieden sagt, meint er Krieg und wenn er ... meint er die Macht", steht auf einem anderen Flugblatt, dass gerade hinauf aufs Gerüst gezogen wird. Nicht irgendein Papier haben die Bensheimer Schüler beschrieben, "schwer entflammbares" musste es laut Sicherheitsvorschrift sein. Aber Deborah Einspieler, Dramaturgin der "Weißen Rose", war dieser Aufwand wert. "Die Inszenierung ist Teil des Opernprojektes." Dahinter steht das Opernprojekt an der Geschwister-Scholl-Schule, das Rolf Bladt, pensionierter Deutsch- und Musiklehrer, seit 15 Jahren betreibt. Weil es ihm wichtig sei, dass Kinder und Jugendliche verstehen, was Oper überhaupt ist.

"Weiße Rose"-Premiere am 9. März

Einspieler legte den Schülern vorab Texte von sechs Flugblättern vor; daraus konnten sie Sätzen kreieren, wie sie wollten. Seit Januar geistert die "Weiße Rose" quer durch die gesamte Bensheimer Schule. Deutsch- und Religionslehrer, Kunst- und Ethiklehrer sowie Musiklehrer haben Sechst- bis Zehntklässler den Scholl-Film anschauen lassen, haben Opernmelodien hören lassen, die manchen Schüler zu Tränen brachten, und brachten dabei ein Stück deutsche Geschichte der heutigen Generation - der nichts egal scheint - nah. "Was lehrt uns der Ausgang des Krieges, der nie ein nationaler war", fragt ein Flugblatt im Foyer. Jana Schulze

Die Oper "Weiße Rose" hat am Freitag, 9. März, um 20 Uhr Premiere im Bockenheimer Depot. Vorstellungen sind am 10., 11., 14., 17. und 18. März. Karten kosten 10 bis 40 Euro.

www.oper-frankfurt.de



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Dokument erstellt am 01.03.2007 um 00:12:05 Uhr
Letzte Änderung am 01.03.2007 um 09:42:08 Uhr
Erscheinungsdatum 01.03.2007 | Ausgabe: S | Seite: 33


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