Der stille Sieger

Christian Rausch von der Scholl-Schule: Bester Mathematiker seines Jahrgangs an allen hessischen Realschulen


Der 14-jährige Christian Rausch aus Reichenbach ist ein freundlicher, hilfsbereiter, stiller, zurückhaltender Jugendlicher – und äußerst bescheiden. Er macht in der Jugendfeuerwehr mit, engagiert sich in einer Vogelschutzgruppe und ist der aktuelle Jugend-Kreismeister im Luftgewehr-Schießen. Christian besucht die 8. Klasse des Realschulzweiges der Geschwister-Scholl-Schule. „Na ja“, räumt er ein, in Physik und Chemie sei er „schon ganz gut“ – und in Mathematik „auch nicht schlecht“. Niemals habe er allerdings geglaubt, dass er im Mathematik-Wettbewerb so weit kommen würde.

Am Mathematik-Wettbewerb müssen jedes Jahr alle hessischen Schüler teilnehmen, die eine 8. Klasse besuchen. Allein im Realschulzweig waren das in diesem Jahr 21 579 Jugendliche. Die Besten durften dann auf Kreisebene in einer zweiten Runde mitmachen. Er habe schon damit gerechnet, die zweite Wettbewerbs-Ebene erreichen zu können, sagt Christian Rausch - schließlich ist er ja in Mathe nicht schlecht. Aber danach würde sicherlich Schluss sein für ihn, kalkulierte Christian.

Doch selbst in der zweiten Runde gehörte er offenbar zu den Besten, denn er durfte auch in der dritten und letzten Runde – auf Landesebene – mitmachen. Von den 21 579 Teilnehmern waren in Runde drei ganze 59 Schüler übrig geblieben – mit einem Mädchen-Anteil von immerhin 37 %. Ergebnis des dritten Tests: Der Scholl-Schüler gehörte zu den sechs besten Mathematikern seines Jahrgangs an hessischen Realschulen und wurde zur großen Siegerehrung im „Mathematik-Wettbewerb des Landes Hessen“ eingeladen.

Die Ehrung fand dieses Jahr in einem Werk der Weltfirma ABB in Hanau statt. Die hessische Kultusministerin Wolff zeigte sich erfreut, „engagierte, junge, offene Menschen“, die sich oft auch noch durch ehrenamtliche Tätigkeiten hervortun, auszeichnen zu können. Mathematik und den Naturwissenschaften komme eine immer größere Bedeutung zu, im Vergleich der letzten Jahre seien die durchschnittlichen Mathematik-Leistungen der Schüler besser geworden.

Prof. Dieter Weidemann von der Arbeitgeber-Vereinigung Hessen-Metall betonte, guter Nachwuchs für Industrie und Technik sei wichtig, um Hessen als Industrie-Standort weiter voranzubringen.

Als es zur Preisverleihung kam, stellte sich heraus: Christian Rausch hatte den ersten Platz belegt – als bester Mathematiker aller Realschüler der 8. Klassen in Hessen. Neben einer Siegerurkunde gab es auch einen ansehnlichen Geldpreis. Was wird Christian damit machen? „Sparen“, sagt er. Ein kluger, besonnener Jugendlicher, der langfristig denkt.


Kultusministerin Wolff, Christian Rausch, Leiterin des Realschulzweiges M. Barnewold


Andere machten sich auch Gedanken über seine Zukunft. Manche rieten ihm, unbedingt aufs Gymnasium zu wechseln - so beispielsweise ein führender Manager von ABB, der selbst seine Schullaufbahn in einer Realschule begonnen hatte.

Ursprünglich hatte Christian vor, nach der Realschule eine Lehre zu beginnen, „in irgendeinem technischen Beruf“. Möglicherweise will er aber auch nach der Mittleren Reife auf den gymnasialen Zweig der Geschwister Scholl Schule wechseln. Viele Wege stehen ihm offen – schließlich ist er ja in Mathe und den anderen Fächern nicht schlecht.

In ihrer Rede zur Preisverleihung hatte Kultusministerin Karin Wolff gefordert, dass in allen schulischen Wettbewerben die Preisträger stärker öffentlich bekannt gemacht werden sollten, „als Vorbilder für andere“. Denn Schüler – so forderte sie – „sollten gute Leistungen nicht verstecken.“

Das wird dem stillen, bescheidenen Christian schwer fallen. Aber warum sollte sich Christian ändern? Ist es in einer Zeit der vielen angeberischen jungen „LautSprecher“ nicht wohltuend, dass es noch zurückhaltende Jungs gibt, die still und bescheiden Spitzenleistungen vollbringen?

R. Poggenhans


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