Als die französischen Schüler streikten …

 …sahen die deutschen Schüler zu – Austausch der Geschwister-Scholl-Schule

Wenn ein deutsch-französischer Schüleraustausch tränenreich endet, muss er gut gewesen sein. Denn nicht immer verstehen sich die Partnerschüler und ihre Familien so gut, dass sie dafür problemlos eine Woche lang ihre gewohnte Umgebung aufgeben.

Doch in der Partnerschaft zwischen der Geschwister-Scholl-Schule und dem Lycée Charles de Gaulle in Compiègne sind heftige Trennungsschmerzen nichts Ungewöhnliches. Der Austausch fand jetzt bereits zum zwölften Male statt. Erstmals waren auf deutscher Seite auch drei Schüler der Karl-Kübel-Schule dabei, die Französisch im Abitur einbringen wollen und die entsprechend hoch motiviert waren.

Als sie bei den französischen Freunden in Compiegne (60 km nördlich von Paris) im März zu Gast waren, fanden sie sich gleich im Zentrum des Geschehens: Tausende Schüler und Studenten protestierten gegen die Aufhebung des Kündigungsschutzes für Jugendliche, auch die Schüler des Lycée Charles de Gaulles streikten.  Den Haupteingang zur Schule hatten die Aktivisten verbarrikadiert, später patrouillierten dort zwei Polizisten.

Die Schule in Compiègne erstreckt sich auf einem riesigen Gelände: Sie liegt unmittelbar an einem breiten Fluss, der Oise, und ihr rechteckiger Grundriss umschließt einen Park in der Mitte. Neben dem Lycée, das eine reine Oberstufenschule ist, gehören auch ein Internat, eine Hotelfachschule, eine Kantine, ein Restaurant und die Wohnungen der gesamten Schulleitung zum Schulkomplex.

Natürlich fuhren die Scholl-Schüler auch nach Paris, wo sie viele Sehenswürdigkeiten wie z.B. die Katakomben bestaunten und eine Bootsfahrt auf der Seine machten. Daneben stand die  Kathedrale von Amiens auf dem Besichtigungsprogramm. Bei dem soeben abgeschlossenen Gegenbesuch wurden die französischen Schüler durch Mainz und Heidelberg geführt.

Und wie fanden die deutschen Schüler die französische Schule? „Sehr streng“, ist das übereinstimmende Urteil. Ein Schüler, der dort zu spät zur Schule kommt, wird zum Direktor geschickt, und die Eltern erhalten eine schriftliche Mitteilung. Noch härter geht man mit grob störenden und schlecht erzogenen Schülern um: Wer wegen groben Fehlverhaltens dreimal einen schriftlichen Tadel von einem Lehrer erhalten hat, muss sich eine andere Schule suchen.

Das alles wussten die Bensheimer Schüler aus ihren Unterrichtsstunden über das französische Schulsystem, doch als sie die rigide Schulatmosphäre selbst erlebten, reagierten sie – so sagte es ihre Lehrerin Frau Wendeberg – „verwundert bis leicht entsetzt“.

Und dann auch noch diese langen französischen Schulzeiten (von 8.30 bis 16.00 Uhr, manchmal sogar bis 18.00 Uhr, in den Abiturklassen ist auch am Samstag-Vormittag Schule) – nein, das fanden sie gar nicht gut. Dabei geht der Oberstufen-Unterricht auch an der Geschwister-Scholl-Schule oft weit bis in den Nachmittag hinein.

War die Lust, als Gast am Unterricht in der Partnerschule teilzunehmen, nicht allzu ausgeprägt, so kamen die Scholl-Schüler mit ihren Partnerschülern doch bestens aus. Man versprach sich gegenseitig: „Au revoir, à bientôt, et on se reverra.“ Der Abschied wurde etwas leichter dadurch, dass die Sommerferien nicht weit sind, manche Schüler wollen sich dann privat treffen.

Einer französischen Schülerin gefiel es an der Bergstraße offenbar so gut, dass sie den Aufenthalt dazu nutzte, um eine Aupair-Stelle zu suchen – mit Erfolg. Nach ihrem Abitur wird sie hier ein Jahr lang Aufnahme in einer deutschen Familie finden.

                                                                                              R. Poggenhans

 
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