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Prof. Dr. Norbert Wand |
Prof.
Dr. Norbert Wand (66), ehemaliger Leiter der GSS, ist gestorben
(zm/ph).
Prof. Dr. Norbert Wand leitete 25 Jahre die Geschwister-Scholl-Schule,
die größte Schule im Kreis Bergstraße, die
selbst erst seit 33 Jahren existiert. Er hat diese Schule
entscheidend mitgeprägt. Er war ein hochgebildeter Mann,
gleichzeitig stets freundlich und zuvorkommend. Seine herausragende
Charaktereigenschaft war ein unerschütterlicher Optimismus,
den auch nicht verlor, als er bereits von schwerer Krankheit
gezeichnet war.
1938
wurde er in Marburg geboren. Nach seiner Promotion unterrichtete
er kurze Zeit am Schuldorf Bergstraße und wurde im Oktober
1975 mit der Leitung der Geschwister-Scholl-Schule beauftragt.
Damals war er gerade 37 Jahre alt und damit der jüngste
Schulleiter Hessens
Die
Geschwister-Scholl-Schule war erst drei Jahre zuvor gegründet
worden. Sie hatte 2000 Schüler und mit der Dependance
in der Rodenstein-Schule zwei weit auseinander liegende Schulgebäude.
Dr. Wand setzte sich daher von Anbeginn beharrlich für
einen Erweiterungsbau in der Eifelstraße ein, der auch
1987 von den Oberstufenschülern bezogen werden konnte.
Die Architektur entsprach seinen Vorstellungen: hell, warme
Töne, großzügig, mit Blick in den Schulgarten.
Ein
gutes Lernklima war ihm immer wichtig. Er zitierte gern den
Satz: „Schulen sind in erster Linie lebende Systeme – ohne
Menschen sind sie nichts als Beton und Papier.“ Für seine
Schule bedeutete dies: „Die Geschwister-Scholl-Schule ist
eine menschliche Schule, in der der Schüler im Mittelpunkt
steht, nicht die Verwaltung oder Schulbürokratie.“
Er
war ein leidenschaftlicher Lehrer. Er blühte auf, wenn
er vor seiner Klasse stand und der Funke der Begeisterung
für seine packend erzählte Geschichte oder für
seine geliebte deutsche Literatur übersprang.
Seine
Aufgabe als Schulleiter sah er darin, der Scholl-Schule ein
eigenständiges Profil zu geben, mit dem sie neben den
etablierten Bensheimer Schulen bestehen konnte. Er wollte
die Durchlässigkeit zwischen den Schulformen erhöhen,
damit jeder Schüler sein Potential entfalten konnte,
um einen optimalen Schulabschluss zu erreichen.
Wichtig
war ihm auch der Ausbau der Schulpartnerschaften, insbesondere
mit Potosi (Bolivien), mit Mohacs (Ungarn) und mit einem Gymnasium
in Prag, mit dem er bereits 1985 – lange vor dem Fall der
Mauer – als einer der ersten Schulleiter der Bundesrepublik
einen Partnerschaftsvertrag abschloss.
Die
Arbeit der Schulleitung sah er immer als Team-Aufgabe an.
Er gab seinen Kollegen in der Schulleitung und den Lehrern
seiner Schule viel Freiraum, ihre eigenen Ideen zu verwirklichen.
In seiner Abschiedsrede vor dem Kollegium formulierte er es
so: „Für einen Schulleiter heißt „führen“
oder „leiten“ zwar die Verantwortung übernehmen, aber
Freiraum zu geben – also delegieren und motivieren im Sinne
von Karl Popper: `Optimismus – was immer auch kommt! – ist
Pflicht!´“
Neben
der Schule ließ ihn seine alte Begeisterung für
die Archäologie und die mittelalterliche Geschichte nie
ganz los. In Auerbach legte er die mittelalterlichen Fundamente
der Kapelle „Noth Gottes“ frei, er betreute die Museen in
Lorsch und in Seeheim-Jugenheim. In der viel beachteten Salier-Ausstellung
in Speyer zeigte er eine Rekonstruktion eines mittelalterlichen
Dorfes und schrieb dazu ein wissenschaftliches Werk, das internationale
Anerkennung fand.
Bereits
als Student hatte er damit begonnen, verlassene mittelalterliche
Siedlungen bei Fritzlar auszugraben. Immer, wenn er Zeit dazu
fand, arbeitete er an diesen Grabungen – sein ganzes Leben
hindurch. In den Sommerferien halfen auch manchmal seine Schüler
mit, die er für die Forschungstätigkeit begeistert
hatte. Für gröbere Arbeiten ließ er auf eigene
Kosten Bagger kommen. Es war die größte, privat
finanzierte archäologische Grabung in Hessen.
Mit
seinen Forschungen zum mittelalterlichen Dorf habilitierte
sich Norbert Wand. Nach seiner Pensionierung als Leiter der
Geschwister-Scholl-Schule lehrte er als Professor mittelalterliche
Geschichte an der Universität Mainz.
Seinem
eigenen Wunsch entsprechend, wird er auf dem Büraberg
bei Fritzlar, direkt neben seiner Ausgrabungsstätte,
begraben. Die Trauerfeier findet am Dienstag, den 5.Oktober,
um 14.30 in der Kirche auf dem Friedhof Bensheim-Mitte statt.
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Die Schulleitung sammelt die Beileidsbekundungen und leitet
diese an die Angehörigen weiter.