Rafael Schäffer war der Star des Abends

Abiturfeier für 66 Schüler der Geschwister-Scholl-Schule

Mit sichtbarem Stolz konnten 66 Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Scholl-Schule auf einer Feier im Bürgerhaus ihre Abiturzeugnisse entgegennehmen. Der Stolz war diesmal besonders gerechtfertigt, denn die Prüfungsregeln sind von der hessischen Landesregierung deutlich verschärft worden, und der diesjährige Abitur-Jahrgang war der erste, der die höheren Hürden bewältigen musste.

Erstmals musste sich jeder hessische Abi-Prüfungskandidat in Deutsch und Mathematik sowie in einer Fremdsprache oder Naturwissenschaft prüfen lassen. Wer in einem Prüfungsfach null Punkte erzielte, war durchgefallen – gleichgültig, wie die Leistungen in den anderen Fächern aussahen. Diese neue Regel wurde auch vielen Scholl-Schülern besonders im Fach Mathematik zum Verhängnis.

Man sollte zu den alten Prüfungsregeln zurückkehren, forderte Rafael Schäffer als Sprecher der Abiturienten: „Es gibt sicherlich gute Gründe für die Verschärfung. Aber ein einziges Schulfach absolut zu setzen und jungen Leuten, die ansonsten passable Leistungen erbracht haben, die akademische Laufbahn nur wegen mangelnder Begabung in einem einzigen Schulfach zu zerstören, sollte von den verantwortlichen Kultusbeamten und der Lehrerschaft für die kommenden Jahrgänge überdacht werden.“ Auch Dirk Römer, der Sprecher der Eltern, beklagte, es seien „ja nicht die Schlechtesten, was immer auch der Maßstab ist“, die deswegen diesmal bei der Ausgabe der Abitur-Zeugnisse leer ausgegangen seien.

Der Direktor der Geschwister-Scholl-Schule, Dieter Zangmeister, sprach – zu den Schülern gewandt – von „Neuerungen, die euch das Leben schwerer gemacht haben“, wobei allerdings einige „sogar noch mehr herausgeholt haben als zu erwarten war“. Doch sollten sich die Abiturienten nun nach ihren guten Leistungen „nicht treiben lassen“ und „mit Schlendrian den neuen Lebensabschnitt beginnen, weil das Abi ja soooo schwer war.“

Einen ähnlichen Wunsch äußerte Elternsprecher Römer: „Dass ihr `bunten Vögel´, um es salopp zu sagen, künftig nicht in einem Wolkenkuckucksheim landet, sondern dass ihr trotz aller globalen Netze, in denen man sich leicht verlieren kann, irgendwo Arbeit findet, heimisch werden und euch verwirklichen könnt, das wünsche ich euch von Herzen.“ Optimistisch klang die biblische Weisheit, die der Pfarrer Dirk Römer „uns allen: Eltern, Lehrern, Schülern“ auf den Weg gab: „Die Vögel unter dem Himmel, die Spatzen und die Raben, die sagen uns, wir sollen nicht soviel Sorgen haben.“

Vor der Anpassung an eine Welt, in der viele Maßstäbe verrückt sind, warnte auch Oberstudienrätin Barbara Fuchs-Schneeweis. Ist dies nicht eine Welt, fragte sie, in der die Inszenierung vor den Sinn tritt, in der gestyle Kunstfiguren Vorbilder sein können, in der Rhetorik vor die Substanz tritt, das Talken vor den Sinn, die Fassung vor das Bild, das Outfit vor das Ich?“ Sie gab den Schülern den Rat, „trotz Coolness, der zur Schau getragenen äußeren Hülle, sich gelegentlich des Schutzkleides zu entledigen.“ Die Jugendlichen sollten ruhig mal „aus der Haut fahren, sich der Verletzlichkeit aussetzen, Unpopuläres wagen, etwas von sich preisgeben, sich engagieren für eine gute Sache, sich ein eigenes Ich leisten.“

Im Bereich des sozialen Engagement haben die Scholl-Schüler schon jetzt einiges vorzuweisen. Direktor Zangmeister lobte die Abiturienten: „Ihr wart ein Jahrgang, der sich seiner sozialen Verantwortung bewusst war und der diese Verantwortung auch auf sich genommen hat.“ Und Elternsprecher Römer zeigte sich „dankbar, dass sich etliche der erfolgreichen Schüler besorgt um die kümmerten, die heute kein Abi-Zeugnis in Händen halten werden.“ Abiturientin Beatrice Geschwind urteilte: „Das Wichtigste haben wir uns immer erhalten, nämlich den Zusammenhalt.“

Trotz aller Klagen über den Abi-Stress förderte der Blick zurück auf eine lange Schulzeit denn auch viele humorvolle Erkenntnisse zu Tage, so bei Beatrice Geschwind: „Was man noch lernt, ist die Relativitätstheorie, denn die Unterrichtsstunden sind im Gegensatz zu den Freistunden relativ lang.“ Oder die frühe Weisheit des Abiturienten Rafael Schäffer: „Die Schule ist schon eine eigenartige Sache: Wenn man sie besucht, hat man sie satt. War man schon lang nicht mehr da, vermisst man sie. Sei es das frühe Aufstehen, der Rummel in der Schule und die tägliche Begegnung mit Freunden und Weggefährten.“

Dass Rafael Schäffer viele gute Erinnerungen an die Schule hat, ist leicht nachzuvollziehen. Mit einem Notenschnitt von 1,5 war er nämlich der Beste des diesjährigen Abitur-Jahrgangs der Scholl-Schule. Dafür erhielt er von Direktor Zangmeister die „Eule der Weisheit“ als traditionelle Auszeichnung der Scholl-Schule sowie einen Buchgutschein. Auch Tobias Hoffmann, Eva Trautmann und Jonas Sultan-Mohamadi konnten Buchpreise für ein außergewöhnlich gutes Abiturzeugnis entgegennehmen.

Doch sie verblassten gegenüber Rafael Schäffer, dem eigentlichen Star des Abends. Weil er auch in Physik der Beste war, erhielt er das Jahrbuch der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, verbunden mit einer einjährigen Mitgliedschaft. Und er besuchte nicht nur äußerst erfolgreich die Scholl-Schule, sondern ging nachmittags noch zur Odenwaldschule, wo er jetzt die Ausbildung zum Chemisch-Technischen Assistenten (CTA) abschloss – erfolgreich, versteht sich.
R. Poggenhans

 

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