"Wenn ihr weg seid, fehlt mir was"


91 Realschüler der Geschwister-Scholl-Schule erhielten ihre Abschluss-Zeugnisse

Bensheim. Es war eine harmonische Feier, auf der 91 Schüler des Realschulzweiges der Geschwister-Scholl-Schule ihre Abschlusszeugnisse erhielten – nicht nur, weil die vorzügliche Big Band der Scholl-Schule unter der Leitung von Oberstudienrat Joachim Brenzel an einem heißen Sommerabend bes(ch)wingt aufspielte. Auch die Reden trugen dazu bei, dass die Atmosphäre im Forum der Schule sehr herzlich, fast freundschaftlich war – mit allenfalls leicht süffisanten Untertönen.

Martina Barnewold, die Leiterin des Realschulzweiges der Scholl-Schule, erinnerte sich daran, dass sie selbst vor sechs Jahren ihren Dienst in dieser Schule begann, „als ihr als kleine Fünftklässler erwartungsvoll hier im Forum gesessen habt“. Die Mehrheit dieses Jahrgangs kenne sie aus dem Unterricht, viele seien auf der Fahrt nach England dabei gewesen: „Da wächst man sich ans Herz.“

Ihr Fazit: „Wir haben uns gemeinsam an diese Schule gewöhnt – ihr und ich – und vielleicht auch ein bisschen aneinander. Wenn ihr weg seid, wird mir hier was fehlen. Vielleicht auch euch, denn die Liebe zur Schule wächst mit dem Quadrat der Entfernung zu ihr. Mit der Liebe zu Schülern ist es übrigens ähnlich. Und – man glaubt es nicht – mit der Liebe der Schüler zu ihren Lehrern auch.“

Anflüge dieser freundschaftlichen Beziehungen klangen bei den Dankesreden der Schüler an ihre Klassenlehrer Frau Rücker, Herrn Felber, Herrn Stephan und Herrn Trautmann durch.

Auch die Elternsprecherin Isabella Brown, die die „erste Rede“ ihres Lebens bravourös meisterte, war voll des Lobes. Sie bedankte sich bei der Schulleitung, „die diese Schule sehr positiv weiterentwickelt hat. Dabei kommt mir vor allem der Kampf um die Ganztagsschule in den Sinn, der ja wohl noch lange andauern wird. Es ging zwar kein Ruck durch dieses Land, aber – so glaube ich – doch ein Ruck durch diese Schule.“ Sie appellierte an die Schüler: „Seid stolz auf eure Schule! Sie hat es verdient.“

Allerdings war die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern nicht sechs Jahre lang von ungetrübt herzlicher Zuneigung geprägt. Rektorin Barnewold erinnerte sich an ihre Gefühle am Beginn so manchen Schuljahres: „Schön, dass ich den Fabian, den Christian, die Teresa oder die Janine wieder habe, mit denen macht´s Spaß! Oder aber auch: Das geschieht ihm recht, dem V. und dem P., dass die mich noch mal ein Jahr haben, denen werde ich schon auf die Sprünge helfen! Gesprungen sind sie schon, nur über die Richtung waren wir oft verschiedener Meinung.“

Daher konnte sich die Leiterin des Realschulzweiges auch gut vorstellen, welche Gefühle bei den Schülern bei der Zeugnisausgabe mitschwingen würden: „Endlich keine Schule mehr, endlich sind wir die Pauker los, den oft erhobenen moralischen Zeigefinger: `Nicht für die Schule, sondern fürs Leben… - Mensch, tut doch mal was, es ist doch euer Abschluss´ - so lange, bis es keiner mehr hören konnte, weder ihr Schüler noch wir Lehrer. Und am Schluss, nach sechs Jahren, hatte ich manchmal das Gefühl: Die meisten haben´s nun doch kapiert.“

Das Fazit von Martina Barnewold lautete: „Ihr habt euren Abschluss geschafft, die meisten sogar ziemlich gut. Wir hätten es uns nur manchmal gegenseitig etwas leichter machen können.“ Als Sprecher der Lehrer zog Henri Felber ein ähnliches Resümee: „Verzeiht mir, wenn ich euch gequält habe, aber ich würde es wieder tun.“

Bei den Klassenbesten waren solche wiederkehrenden Misshandlungen vermutlich nicht nötig: Johanna Schuster, Stefan Adrian, Astrid Mössinger, Eva Ramershoven und Sven Scheffler erhielten Buchgutscheine für ihre hervorragenden Zeugnisse.

Viele der besten Schülerinnen und Schüler haben sich mittlerweile beim gymnasialen Zweig der Geschwister-Scholl-Schule angemeldet. Sie hoffen, dass sie in drei Jahren ihr Abiturzeugnis in Empfang nehmen können. Da das Quadrat der Entfernung zur Schule bei ihnen klein bleibt, wird es wohl noch etwas dauern, bis auch bei ihnen die Liebe zur Schule schier unerträgliche Ausmaße annimmt.

R. Poggenhans

 

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