Paten helfen bei Lehrstellensuche |
Abschlussfeier für 96 Hauptschüler der Geschwister-Scholl-Schule – „Ihr könnt mehr, als ihr zeigt!“Die Schullaufbahn eines Hauptschülers ähnelt einer Etappe bei der Tour de France. Da gibt es Höhen und Tiefen, Erfolge und Misserfolge, die Vorbereitung ist wichtig, aber auch beim Endspurt kann man noch glänzen. Diese aktuelle Parallele zog Karlheinz Nichell, stellvertretender Leiter der Geschwister-Scholl-Schule, bei der feierlichen Zeugnisausgabe an 96 Hauptschüler der Scholl-Schule. Manche von ihnen, so Karlheinz Nichell, dürfen sich wie die Träger des Gelben Trikots fühlen, z.B. die Klassenbesten Helena Antonova, Christoph Dorn, Vincenzo Lovecchio, Manuel Schaaf, Maurice Berndt, Timaz Sadat Tabatabai oder wie der Beste des gesamten Schulzweiges, Müslüm Sahin. Zu den Siegern gehören sicherlich auch die neun Schüler der 10. Hauptschulklasse, die im gesamten Schuljahr und bei der Abschlussprüfung so gute Leistungen zeigten, dass ihr Abschluss der Mittleren Reife des Realschulzweiges gleichgestellt ist. Andererseits gab es in den 9. Klassen auch neun Schüler, die nach den Versetzungsbestimmungen der früheren Klassen sitzengeblieben wären und die nun die Schule ohne Hauptschulabschluss verlassen. Diese Problemgruppe soll möglichst klein gehalten werden. Darum bemüht sich eine frisch installierte Kommission des Staatlichen Schulamts, in der auch Fritz Eberhardt, der Leiter des Hauptschulzweigs an der Scholl-Schule, mitarbeitet. Insgesamt ist Fritz Eberhardt jedoch dieses Jahr mit seinen Schulabgängern sehr zufrieden. „Ihr seid ein guter Jahrgang“, sagte er auf der Abschlussfeier. Das konnte er mit eindrucksvollen Zahlen von den Abschlussprüfungen belegen. In Mathematik lag der Anteil der richtig bearbeiteten Aufgaben um 33,5% höher als im Vorjahr, und im Fach Deutsch lag der Punktwert der Scholl-Hauptschüler um 18,7% höher. Das bessere Ergebnis mag auch dadurch zustande gekommen sein, dass dieses Jahr erstmals die Prüfung für alle Schüler der Abschlussklassen Pflicht war und das Prüfungsergebnis für die Endnote zählte. Zuvor war die Prüfung freiwillig, und am Ende konnte jeder Schüler entscheiden, ob das Prüfungsergebnis gewertet werden sollte oder nicht. Deshalb nahmen die Jugendlichen die Prüfung dieses Jahr ernster, und sie bereiteten sich intensiver vor. Dafür und „dass Sie immer für uns da waren“ bedankten sich die Schüler mit Geschenken insbesondere bei ihren Klassenlehrerinnen Frau Köhler, Frau Risse-Lessel, Frau Unger, Frau Schmidt und Frau Thiele. Die Lehrer reichten das Lob zurück. „Ihr könnt mehr, als ihr zeigt! Ihr seid viel besser, als ihr euch darstellt! Das ist meine feste Überzeugung,“ sagte Hauptschulleiter Eberhardt eindringlich. Besonders abseits der Schulfächer – dann, wenn es um die Lösung von konkreten Problemen gehe, - zeigten die Hauptschüler Leistungen, die sich hinter denen der anderen Schulformen nicht zu verstecken brauchten. Dennoch ist die Suche nach Lehrstellen für Hauptschüler absolut deprimierend: Von den 60 Absolventen der 9. Klassen der Scholl-Schule haben bislang gerade einmal sechs einen Ausbildungsplatz gefunden, von den 36 Schülern der 10. Klassen gelang dies nur fünf Jugendlichen. „Viele Wirtschaftszweige nehmen keine Hauptschüler mehr“, klagt Rektor Eberhardt. Sicher, manche Absolventen der 9. Klassen wollen noch die 10. Klasse besuchen, andere gehen auf berufliche Schulen oder Fachoberschulen, einige Lehrstellen-Bewerbungen laufen noch. Doch die Großwetterlage zeigt ein ortsfestes Tief. „Den Wind können wir nicht beeinflussen, aber wir können die Segel richtig setzen,“ sagt die Elternsprecherin Waltraut Dorn. Zwei Programme sind es vor allem, mit denen sich die Geschwister-Scholl-Schule seit kurzem sehr tatkräftig für die Zukunftschancen der Hauptschüler engagiert. Das erste heißt „Schule und Betrieb“: Schüler, die geringe Chancen auf einen zufriedenstellenden Abschluss haben, besuchen in den Klassen 8 und 9 an drei Tagen pro Woche die Schule, zweimal wöchentlich gehen sie in verschiedene Firmen. Das andere Programm trägt den Titel „Paten für Ausbildung“ (PfAu). Auf Initiative der Stadt Bensheim und der Scholl-Schule unterstützen erfahrene Senioren wie der pensionierte Unternehmensberater Pönitz ihre „Patenkinder“ bei der Suche nach einem Ausbildungsplatzes und bei der Bewerbung. Das ist nicht immer einfach.
Doch neben manchen Rückschlägen gibt es auch Erfolgserlebnisse.
So bedankte sich ein Schüler in einem zufällig mitgehörten
Gespräch am Rande der Zeugnisverleihung bei Herrn Nichell, weil
er ihn „nie aufgegeben“ habe. „Hier ist mein Zeugnis,“ sagte er. „Und
wissen Sie noch: Zweimal habe ich 150 Euro Strafe aufgebrummt gekriegt,
weil ich ständig die Schule geschwänzt habe.“ Der Notenschnitt
auf dem Zeugnis war 2,5 – eines der besten Zeugnisse der Klasse. Beim
zweiten Mal musste der Schüler auf Druck seiner Eltern die 150
Euro Strafe selbst bezahlen. Das wirkte. |
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GSS Bensheim
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