„Der Nachmittags-Unterricht läuft gut“


Geschwister-Scholl-Schule berichtet von positiven Erfahrungen mit der Ganztagsschule

Was hat sich eigentlich in den Schulen verändert, seitdem die erschreckende PISA-Schieflage bekannt wurde? Antwort: Es tut sich viel im Bildungsbereich, und einige Schulen spielen die Vorreiter im Prozess der Veränderung. Damit die übrigen Schulen von den Erfahrungen aus den Pilotprojekten profitieren können, organisiert jetzt das Staatliche Schulamtfür den Kreis Bergstraße und den Odenwaldkreis drei Informationsveranstaltungen.

Die Seminare werden in Zusammenarbeit mit dem „Arbeitskreis Schule/Wirtschaft“ durchgeführt und verfolgen das hehre Ziel „Schule gemeinsam verbessern“. Zu den drei Seminaren wurden die Leiter oder deren Vertreter von etwa 50 Schulen eingeladen. Eine dieser Informationsveranstaltungen, die von Dr. Frida Bordon vom Schulamt und Reinhold Stämmler vom „Arbeitskreis Schule/Wirtschaft“ geleitet werden, fand jetzt an der Geschwister-Scholl-Schule statt. Dort wird bekanntlich seit zwei Jahren ein Ganztags-Unterricht – zunächst für das 5. und 6. Schuljahr - angeboten. Die Schulleiter der Region zeigten sich sehr interessiert an den Erfahrungen der Geschwister-Scholl-Schule. „Ein pädagogisch gut durchdachtes Nachmittagsangebot ist ein nachhaltiger Beitrag zur Qualitätssicherung von Schulen“, so Frau Dr. Bordon.

Und welche Erfahrungen hat die Scholl Schule mit ihrem Ganztags-Angebot gemacht? „Bisher insgesamt positive“, sagt der Pädagogische Leiter der Schule, Studiendirektor Dietrich Hinkeldey. „Zwei Drittel unserer Schüler aus den 5. und 6. Klassen machen von dem freiwilligen Kursangebot Gebrauch“, sagt Dietrich Hinkeldey. Er schränkt ein: „Bisher waren diese zusätzlichen Kurse kostenfrei, ab 1. Februar müssen die Eltern eine Kostenbeteiligung von 35 Euro pro Halbjahr übernehmen, wenn ihr Kind weiterhin an den freiwilligen Kursen teilnehmen soll. Aber nur so kann die volle Breite des bisherigen Angebots aufrechterhalten werden.“

Die Kursgebühr wird erforderlich, weil der Staat die Finanzmittel für den Nachmittagsunterricht im Vergleich zum letzten Jahr gekürzt hat. Wie viele Eltern ihre Kinder wegen der Kostenbeteiligung von den freiwilligen Kursen abmelden werden, bleibt abzuwarten.

Die Geschwister-Scholl-Schule hat sich entschlossen, für ihre jungen Schüler ein Kombinationsmodell aus freiwilligen und aus verbindlichen Kursen einzuführen. An einem Nachmittag pro Woche müssen die Fünft- und Sechsklässler zusätzliche Unterrichtsstunden in den Hauptfächern besuchen. „Wir sind der Meinung, dass nachmittags mehr geboten werden muss als Verwahrung, Beaufsichtigung und schmackhafte Mahlzeiten. Ergänzend zum Vormittagsunterricht müssen hochwertige Angebote im Förder- und Unterstützungsbereich gemacht werden. Das verbessert die Qualität des gesamten Unterrichts – auch am Vormittag“, ist Studiendirektor Hinkeldey überzeugt.

Außer den Förder- und Unterstützungskursen, die nach der Leistungsstärke der Schüler differenziert sind, bietet die Scholl-Schule nachmittags Kurse zur Vermittlung von Kernkompetenzen an, in denen die Schüler Lerntechniken einüben und ihr Gedächtnis trainieren. Daneben gibt es noch Neigungsangebote aus dem künstlerischen Bereich sowie Sportkurse. Insgesamt standen den Fünft- und Sechstklässlern zu Beginn des letzten Halbjahres 39 Kurse zur Auswahl.

Schüler und Eltern sind mit dem Nachmittagsunterricht sehr zufrieden. Das hat die Scholl-Schule in einer großen Fragebogenaktion ermittelt. „Manche Eltern wünschten sich auch Kurse am Freitag Nachmittag, der bisher frei ist. Vor allem an der Hausaufgaben-Betreuung, die von älteren Schülern durchgeführt wird, gab es aber Kritik. Da haben wir inzwischen Änderungen vorgenommen,“ erklärt der Pädagogische Leiter.

Wegen der guten Erfahrungen will die Scholl-Schule ihr Nachmittags-Angebot auf die Klassen 7 bis 10 ausweiten. Ein entsprechender Antrag ist gestellt. Direktor Dieter Zangmeister hofft, „dass noch in diesem Jahr der Baubeginn für den Erweiterungsbau unserer Schule erfolgt.“ Dort sollen eine Mensa und die Schülerbibliothek untergebracht werden.

Die größere Schülerbibliothek soll ein Kernstück des künftigen Nachmittags-Unterrichts an der Scholl-Schule werden. Sie ist nicht nur als Bücherei, sondern als Mediothek geplant, denn dort soll es auch Gesellschaftsspiele und Computer-Arbeitsplätze geben. Die Mediothek soll Platz bieten für Unterrichtsgruppen wie auch für einzelne Schüler, die dort in Freistunden ihre Hausaufgaben erledigen wollen. Es sind bereits viele attraktive Bücher und Medien angeschafft und katalogisiert worden. 600 Schüler haben einen digitalen Leseausweis erhalten.

Seine bisherigen Erfahrungen fasst Studiendirektor Hinkeldey so zusammen: „Der Ganztagsunterricht läuft gut. Wenn die Finanzierung gesichert ist, können wir nachmittags ein sinnvolles zusätzliches Angebot zusammenstellen, das von Eltern und Schülern angenommen und geschätzt wird.“

R. Poggenhans

 

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