Schüleraustausch der Geschwister-Scholl-Schule 
mit dem Christian-Doppler Gymnasium Prag

16 Scholl-Schüler zu Besuch in Prag

An der Geschwister-Scholl-Schule hat der Schüleraustausch mit dem Gymnazium Christiana Dopplera Praha einen hohen Stellenwert. Bereits im Dezember 1986 wurde in Prag am damaligen Wilhelm-Pieck-Gymnasium ein Partnerschaftsvertrag unterzeichnet, der damals einmalig war, handelte es sich doch um die erste Partnerschaft einer Schule der Bundesrepublik Deutschland mit einer Bildungsstätte in der Volksrepublik Tschechoslowakei. Seitdem weilten regelmäßig Schülerinnen und Schüler der Partnerschulen im jeweiligen Nachbarland. Der Partnerschaftsvertrag sieht vor, dass die Austauschschüler während des Aufenthaltes in den Gastfamilien wohnen. Damit wird erreicht, dass die Gastschüler in einen persönlichen Kontakt mit den Nachbarn kommen und in den spezifischen Alltag integriert werden.

Oberstudienrat Klaus Ansorge, der neben Oberstudiendirektor a.D. Dr. Norbert Wand und Studiendirektor a.D. Dieter Baumbusch auf deutscher Seite zu den Begründern der Partnerschaft zählt, hat auch in diesem Jahr die Schülerdelegation angeführt. In Prag angekommen gab es eine herzliche Begrüßung, kannten sich doch bereits die Partnerinnen und Partner vom Aufenthalt in Bensheim im Mai 2003.

Das Programm, das von den tschechischen Lehrkräften Alois Hartl, Radana Kacetlova, Robert Prochaska und Eliska Saslavska  erstellt worden war, gestaltete sich außerordentlich vielseitig und abwechslungsreich: Die tschechischen und hessischen Schülerinnen und Schüler nahmen täglich an Workshops teil zu den Themen Kaiser Karl IV; Die jüdische Kultur in Prag; Alfons Mucha und der Jugendstil; Das Attentat auf Reinhard Heydrich und seine Folgen. Waren somit die Grundlagen des Rahmenthemas gemeinsam erarbeitet worden, konnten anschließend bei einem kulturhistorischen Rundgang durch die „Goldene Stadt“ Prag die Sehenswürdigkeiten ausführlich betrachtet bzw. besucht werden, etwa die erste deutsche Universität, die im Jahre 1348 von Karl IV. gegründet worden war, die Karlsbrücke, das Emmauskloster u.a.

Am folgenden Tag stand das einzigartige ehemalige jüdische Viertel auf dem Programm. Außerdem wandelten die Gruppen auf den Spuren der deutsch-tschechischen Schriftsteller Franz Kafka, Franz Werfel und des „rasenden Reporters“ Egon Erwin Kisch. Beeindruckend war auch der Spaziergang auf den Spuren des Prager Jugendstils mit Besichtigung des Repräsentationshauses mit Einkehr im Jugendstilcafé. Die Schülerinnen und Schüler der GSS, die sich im Geschichtsunterricht verstärkt mit NS-Geschichte befassen, lernten am vorletzten Tag weitere Details über die menschenverachtende Politik der NS-Machthaber in den okkupierten Staaten kennen. In der serbisch-orthodoxen Kyrill- und Method-Kirche, in deren Krypta sich die Heydrich-Attentäter Jan Kubis und Josef Gabcik nach erbittertem Widerstand ergeben mussten, besuchten die beiden Schülergruppen gemeinsam die betroffen machende Ausstellung. Nachmittags wurde die KZ-Gedenkstätte Theresienstadt, sechzig Kilometer nördlich von Prag, besucht. Oberstudienrat Franz Josef Schäfer legte am Jüdischen Mahnmal in der Kleinen Festung Theresienstadt vier Gedenksteine nieder. Er erfüllte damit ein Versprechen, das er Edith Isenberg gegeben hatte. Ihre Großeltern Rudolf und Helene Sternheim und ihre Tante Klara Spanier wurden am 28. September 1942 von Bensheim aus nach Theresienstadt deportiert, wo sie im April bzw. Mai 1943 an Entkräftung gestorben waren. Drei Gedenksteine wurden F. Schäfer von Racine/Wisconsin aus zugeschickt, der vierte stammt vom Mahnmal an der ehemaligen Bensheimer Synagoge und soll dem Andenken aller Theresienstädter Opfer gewidmet sein.

Die Geschichtswerkstatt „Geschwister Scholl“ wird die Memoiren von Hans Sternheim, des Vaters von Edith Isenberg, aller Wahrscheinlichkeit nach in diesem Jahr veröffentlichen.

Hatten im Mai 2003 die Prager Schüler viel über Land und Leute in Deutschland kennen lernen können, gilt dies entsprechend auch für den gerade zurück liegenden Austausch der GSS-Schüler in Tschechien, einem Land, das im kommenden Jahr Mitglied der EU sein wird. So fiel der Abschied schwer. Aber wie auch in den vergangenen Jahren haben viele Scholl-Schüler versprochen ihre neuen Freundinnen und Freunde aus Prag in den nächsten Ferien erneut zu besuchen.

Der unmittelbare Kontakt der Jugend der benachbarten Völker ist der beste Beitrag zur Völkerverständigung und Friedenserziehung.

 

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