Mediation setzt dem Faustrecht ein Ende

"Mini-Kongress" zum Thema Streitschlichtung an der GSS will den Weg zur Konfliktlösung ebnen


Gewalt an Schulen - ein Thema, das Schüler, Lehrer und Eltern nicht mehr los lässt. Um das Problem zu entschärfen, setzen einige Schulen auf ein weiteres Element im Beratungssystem, die Mediation.

Kooperation statt Konfrontation, Verhandeln statt aggressives Streiten, lautet die Devise. Am Donnerstag trafen sich auf Initiative der Melibokusschule Alsbach Mediatoren von fünf Schulen aus dem Kreis Bergstraße und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg in der Bensheimer Geschwister-Scholl-Schule zu einem "Mini-Kongress Streitschlichtung".

Wie sehen die Modelle an den verschiedenen Schulen aus? Mit welchen Problemen haben die Streitschlichter zu kämpfen? An der Veranstaltung nahmen ausgebildete Lehrer und Schüler der Melibokusschule in Alsbach, der Geschwister-Scholl-Schule aus Bensheim, der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Rimbach, der Gerhart-Hauptmann-Schule aus Darmstadt-Griesheim und des Goethe-Gymnasium in Bensheim teil, die ihre jeweiligen Erfahrungen einbrachten.

Das System der Mediation hat in der Wirtschaft längst Fuß gefasst und ist Vorbild für Schulen geworden. In der Konfliktbewältigung tritt der Mediator nicht als Richter auf, der ein Urteil fällt. Ziel ist vielmehr eine Win-Win-Lösung, die dauerhaft und tragfähig ist.

Wie eine Mediation abläuft, zeigten Schüler der Geschwister-Scholl-Schule anhand einer kurzen Szene. Darin geraten zwei Schüler der Oberstufe aneinander, weil sich der eine auf einer Fete mit der Freundin des anderen vergnügte. Ein Konflikt, bei dem sich die Aggression auch mit Brachialgewalt entlud. Die Situation war zum Schluss so verfahren, dass keine Kommunikation mehr stattfand.

Um der Sprache der Fäuste ein Ende zu setzen, suchte man einen Mediator auf. Streitschlichter Michael machte den beiden klar, nach welchen Spielregeln die Verhandlung abläuft. Oberstes Gebot: Keine Gewalt - weder in Form von Beleidigungen noch mit den Fäusten. Stattdessen gegenseitiges Zuhören und Ausredenlassen. Der Mediator sorgte für die Einhaltung der Spielregeln und schafft eine angemessene Gesprächsatmosphäre. Der Mediator zwingt den Konfliktparteien keine Lösung auf, er ebnet "nur" den Weg dorthin. Die Einigung wird mit einem schriftlich verfassten Vertrag besiegelt. Nach einer Woche schauen beide beim Schlichter vorbei, um Rechenschaft über die Einhaltung des Vertrags abzulegen.

Eine solch schwierige Situation haben die zu Mediatoren ausgebildeten Schüler eher selten zu meistern. Sie konzentrieren sich auf Probleme, die jüngere Schüler miteinander haben. Dabei geht es auch um nicht zurückgegebene Radiergummis oder ausgeliehene Bleistifte, erzählt Michael.

Eine solch schwierige Situation haben die zu Mediatoren ausgebildeten Schüler eher selten zu meistern. Sie konzentrieren sich auf Probleme, die jüngere Schüler miteinander haben. Dabei geht es auch um nicht zurückgegebene Radiergummis oder ausgeliehene Bleistifte, erzählt Michael. Dass auch Schüler als Mediatoren auftreten,

Koordinator des Kongresses: Manfred Forell

hält er für einen großen Vorteil. Denn ob Oberstufenschüler oder Fünftklässler: unter dem Strich spricht man dieselbe Sprache.

Manfred Forell, Lehrer an der GSS, hat sich in der Mediation ausbilden lassen, das Kollegium in Konferenzen über das Streitschlichtersystem informiert, Seminare angeboten und Schüler ausgebildet, die nun schon in der dritten Generation Streit schlichten und inzwischen eine akzeptierte Anlaufstelle sind.
Mit Zurückhaltung bis hin zu Vorbehalten begegnet man den Mediatoren an anderen Schulen. Dass es auch dort Konflikte gibt, ist klar. Die Hilfe der Schlichter wird jedoch nicht in Anspruch genommen.

Die Akzeptanz, die ihnen die Schüler und Lehrer dieser Schulen entgegenbringen, sei sehr gering, beklagen sie. Vor allem Schüler-Schlichtern werde zu wenig zugetraut. Deshalb sind Ausbildung und ständiges Training die zentralen Punkte des Konzepts. Die Gesprächsführung hat bei der Streitschlichtung eine besonders große Bedeutung, sie will gelernt sein.

BA moni/GSS eckh

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