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Auf den Spuren der Kirchbergmorde Wanderung der 10. Klassen |
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Auf dem Weg zum Kirchberghäuschen lernten Scholl-Schüler viel über Bensheimer Geschichte. Das Wandern gehört für die heutigen Jugendlichen nicht gerade zu den Lieblingsbeschäftigungen. Viele Eltern wagen es schon längst nicht mehr, ihrem halbwüchsigen, aber großmäuligen Nachwuchs sonntags den altväterlichen Vorschlag zuzumuten: „Wie wär´s, wenn wir heute mal wandern gehen?“ Auch die „Wandertage“ in den Schulen sehen oft so aus, dass die höheren Klassen in Großstädte oder in Vergnügungsparks fahren. Daher ist es schon verwunderlich, dass es gleich vier Klassenlehrern der Scholl-Schule – Frau Gruß und Frau Triebel sowie den Herren Eckhardt und Römer - gelang, ihre Realschul-Abschlussklassen des 10. Jahrgangs für eine gemeinsame Wanderung zum Kirchberghäuschen zu ... – na ja, zu begeistern nicht gerade, aber doch zum anfangs schlurfenden Mitgehen zu bewegen. Auf dem Weg zum Bensheimer Haus-Buckel machten die Schüler an der Ecke Kirchbergstraße Halt. Lehrer Detlef Römer erzählte den Schülern die wechselvolle Geschichte des Gebäudes, in dem heute das Versorgungsamt untergebracht ist: Ursprünglich war dies eine Taubstummenanstalt. In den letzten Monaten des Krieges war dort die Zentrale der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) untergebracht, wo unschuldige Menschen verhört wurden, um sie anschließend ins Gefängnis (das heutige Amtsgericht) zu stecken. Nach dem 2. Weltkrieg diente das Haus über 20 Jahre lang als Nebengebäude des alten AKG. Über einen überraschend steilen „Dschungelpfad“ (rechts vom Brunnenweg) kamen die Realschüler zum Mahnmal, das daran erinnert, dass dort nur drei Tage vor dem Einmarsch der Amerikaner zwölf gefangene Frauen und Männer von der Gestapo erschossen wurden.
Auf dem Rückweg ging´s durch den renovierten Stadtpark. Und es lag nicht nur am guten Wetter, dass die Schüler den Wandertag „ganz gut“ fanden. Nicht untypisch war die Meinung einer Schülerin: „Solche gemeinsame Wanderungen sollten wir wiederholen. Da lernen sich die Klassen besser kennen.“ Zugegeben, das klingt noch nicht so, als hätten missmutige Wandermuffel ihre totale Begeisterung für die Fortbewegung auf zwei Beinen entdeckt – zumal der Weg zum Kirchberghäuschen nicht unbedingt einen Gewaltmarsch darstellt. Aber immerhin: Ein Anfang ist gemacht. Und vielleicht sollten sich Eltern mal wieder trauen, ihren Sprösslingen einen gemeinsamen Spaziergang vorzuschlagen – auch im Oktober könnte es ja noch ein paar schöne Tage geben. R. Poggenhans |
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