| „Die pflegeleichten, sozial engagierten Schüler sterben aus“ |
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Ein wichtiges Etappenziel haben sie erreicht, die 92 Absolventen des Realschulzweiges der Geschwister-Scholl-Schule, die in einer Feierstunde ihre Abschlusszeugnisse entgegennehmen konnten. Martina Barnewold, die Leiterin des Realschulzweiges, verglich die Realschulzeit, „die sechs Jahre währte, vielleicht auch sieben“, mit einer Etappe der gegenwärtig stattfindenden Tour de France: „Ihr wurdet begleitet von Lehrern und Eltern, konntet euch aber auch oft im Windschatten von Mitschülern und Freunden bewegen. Das ist ja bekanntlich kräfteschonender. Bei der Tour de France haben die Favoriten dieses Privileg, bei der `Tour de GSS´ waren das eher die Pfiffigen, Schlauen. Einige fuhren jedoch immer im Wind, als Schrittmacher für die anderen, und das waren nicht die Schlechtesten. Es gab Stürze, sogar Abstürze und Verletzungen seelischer und körperlicher Art. Es gab Pannen, die bei einigen zur Etappenverlängerung bis zu einem Jahr führten. Einige sind auch heute wegen `Sitzproblemen´ bei der Zielfeier noch nicht eingetroffen. Wir werden diese dann hoffentlich im nächsten Jahr hier an dieser Stelle begrüßen können.“ Dass man über diese schwer wiegenden Sitzprobleme künftig großzügig hinwegsehen sollte, davon hielt Dr. Bernd Vock als Sprecher der Eltern gar nichts. Er bezog sich auf die Meldung, dass sich drei hessische Schuldezernenten dafür ausgesprochen haben, das Sitzenbleiben abzuschaffen. „Ein solches Ansinnen mit Entwertung von Leistung passt in die Entwicklung, die wir über Jahre verfolgen können und die wir in allen Bereichen beobachten müssen. Fehlende Leistung des Einzelnen wird durch staatliche Regelungen zu sehr kompensiert. Leistung wird nicht selten eher bestraft. In vielen Dingen haben wir die Ebene des Mittelmaßes unterschritten. Deshalb wünsche ich euch, dass die Gesellschaft erkennt, dass in erster Linie Leistung belohnt werden muss.“ Einige Realschüler dieses Jahrgangs zeigten bereits herausragende Leistungen: Die Klassenbesten Julia Räffle, Peter Wöltge und Fabian Vock erhielten von Frau Barnewold Ehrenpreise – ebenso wie der „Träger des Grünen Trikots“, Nikolai Haas, der als Bester bei den Abschlussprüfungen die meisten Punkte sammeln konnte. Das „Gelbe Trikot“, so nannte es die Realschul-Leiterin, verdiente sich Martina Filbert, die als Jahrgangsbeste in ihrem Abgangszeugnis den Notenschnitt von 1,3 erreichte. Karlheinz Nichell, der stellvertretende Schulleiter, sagte, er habe einige Schüler „bei den mündlichen Prüfungen erlebt und gute Leistungen bei souveräner Selbstdarstellung gesehen.“ Naturgemäß
gab es auch Schüler, die durch andere Qualitäten als durch
Spitzenleistungen auf sich aufmerksam machten. Detlef Römer,
der Sprecher der Lehrer, beschrieb in seiner humorvollen Rede
( Natürlich gibt es auch noch diejenigen, deren Verhalten daran erinnert, dass das lateinische Wort für `Schüler´, nämlich `discipulus´, etwas mit `Disziplin´ zu tun hat. Doch die Gattung `homo discipulus sapiens´ - das sind die pflegeleichten Schüler, die dank eines guten Elternhauses in der Lage sind, sich zu integrieren, die sich sozial engagieren - stirbt leider immer mehr aus. Doch ohne diese Persönlichkeiten würde die Schule nicht laufen. Dann gibt es auch die so genannten `Dauerstrahler´, reinste Sonnenkraftwerke, das sind richtige Glücksfälle, die mit ihrem herzlichen Lachen alles überstrahlen.“ In
diesem Abschlussjahrgang war die Mischung der Schülertypen offenbar
recht gelungen. Lehrer Römer schwärmte von der Abschlussfahrt:
„Wie Erwachsene habt ihr euch auf der Italien-Fahrt benommen. Vorbildlich!“
Und Karlheinz Nichell, der stellvertretende Leiter der Scholl-Schule,
ergänzte: „Wir haben es mit einem sehr netten Jahrgang zu tun.
Ich habe überwiegend frohe Ausstrahlung wahrgenommen. Ihr habt
selten als Klasse niedergeschlagene oder resignierende Eindrücke
vermittelt. Wenn die Dinge mal nicht im Lot waren, dann habt ihr zwar
energisch eure Nöte ausgedrückt, aber seid immer schnell
zu konstruktivem Arbeitswillen zurückgekehrt.“ Für
viele der besten Realschüler bedeutete die Abschlussfeier allerdings
keinen Abschied von der Geschwister-Scholl-Schule. Sie wollen dort
vom nächsten Schuljahr an die Oberstufe des Gymnasiums besuchen,
um ihr Abitur zu machen. |