"Jeder ist viel mehr wert als der Durchschnitt seiner Noten"


85 Hauptschüler der Geschwister-Scholl-Schule erhielten ihre Abschlusszeugnisse "Gutes an unseren Kindern getan"

Glücklich und dankbar, zugleich aber auch stolz und etwas selbstkritisch waren sie, die 85 Schüler des Hauptschulzweiges der Geschwister-Scholl-Schule, die in einer Feierstunde im Forum der Schule ihre Abschlusszeugnisse erhielten. Glücklich und erleichtert waren sie, weil der lange herbeigesehnte letzte Schultag endlich gekommen war: "Wie oft haben wir gedacht: Wenn doch nur dieses Schuljahr schon vorbei wäre! Und dann ging doch alles viel zu schnell zu Ende," sagte Philipp Kubessa als Sprecher der Schüler.(Rede als PDF Dokument)

Dankbar waren die Schüler gegenüber den Eltern und insbesondere gegenüber den Lehrern, die - so lobte Philipp Kubessa - "Zeit für uns hatten, die uns zugehört haben, die für uns da waren, wenn wir Hilfe, Unterstützung oder ganz einfach nur jemanden zum Reden brauchten, auch dann, wenn der Unterricht schon lang vorbei war." Besonders herzlich bedankten sich die Schüler bei der Schulsekretärin Künz, und ihren Klassenlehrern, die ihre Schüler "über manch holprigen Weg begleiteten".

Auch Ilona Wondratschek, die Sprecherin der Eltern, dankte der Scholl-Schule, "dass sie für unsere Kinder über weite Strecken mehr war als bloß eine Lehranstalt. Diese Schule war ein wichtiges und verlässliches Stück Heimat, ein geschützter Raum, in dem sich Gaben entfalten durften, in dem die jungen Menschen sich ausprobieren durften - mit ihren jeweils eigenen Stärken und Schwächen."

Ilona Wondratschek brach auch eine Lanze für die Lehrer, über die "nach Pisa" viel geschimpft worden sei: "Sie haben herhalten müssen für manche Hilflosigkeit im Umgang mit der rasanten Entwicklung unserer Gesellschaft. Ich halte das für völlig verfehlt und will ihnen ausdrücklich danken und Respekt erweisen. Sie leisten einen wichtigen Dienst, auch deshalb, weil sie über die Aufgabe der Lehre und des Vermittelns von Wissen hinaus Aufgaben übernehmen müssen, die andere Institutionen - auch zum Teil das Elternhaus - oft nicht mehr leisten können. Viele von Ihnen haben über das zu erwartende und selbstverständliche Maß hinaus Gutes an unseren Kindern getan."

Viele Schüler zeigten beachtliche Leistungen, auf die sie zu Recht stolz sein können. Dies bestätigte ihnen auch Schulleiter Zangmeister: "Ich habe in den Prüfungen viele ansprechende Leistungen gesehen, die ein gutes Niveau hatten." Damit waren natürlich in besonderem Maße die Klassenbesten gemeint, die mit Buchgutscheinen geehrt wurden: Müslum Dumrul, Stefan Gavrilov, Maximilian Janson und Florian Blumenschein.

Doch so mancher Schüler hätte angesichts der angebotenen Unterstützung deutlich mehr leisten können. Auch Schülersprecher Kubessa, selbst einer der besten Schüler, fragte selbstkritisch: "So viel hatten wir uns vorgenommen: pünktlich zu sein, Hausaufgaben zu machen, Verständnis für andere aufzubringen, mehr zu lernen. Waren es nur Gedanken, oder haben wir auch Taten folgen lassen? Aber wir sind jung, und es besteht die Chance, das Beste aus unserem Leben zu machen."

Melanie Schmidt, die Leiterin des Hauptschulzweiges der Scholl-Schule, erinnerte sich ebenfalls an die guten Vorsätze derjenigen Schüler, die freiwillig das 10. Hauptschuljahr absolvierten, weil sie mit guten Zeugnisnoten und passablen Prüfungsleistungen den Realschul-Abschluss schaffen wollten. "Während des Schuljahres mussten viele leider feststellen, dass dies nicht so leicht ist. So mancher Schüler hat dann bei der Abschlussprüfung richtigen Ehrgeiz an den Tag gelegt, bei anderen fielen leider zu schnell die Handtücher." So schafften zehn von den 39 Schülern der 10. Klassen den mittleren Abschluss, der der mittleren Reife gleichgestellt ist. Zehn weitere Schüler der 10. Klassen erreichten den "erweiterten Hauptschulabschluss". Von den 46 Schülern der 9. Klassen erlangten sieben den "qualifizierenden Hauptschulabschluss".

Aber, so sagte Ilona Wondratschek den ehemaligen Hauptschülern, "die Zeugnisse geben nur Auskunft über den messbaren Teil eurer Leistungen. Was ich euch auf den Weg geben will, ist die Gewissheit, dass jeder Mensch unendlich mehr wert ist als der Durchschnitt seiner Noten."

R. Poggenhans

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